FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
J apan erlebt derzeit einen der tiefgreifends- ten wirtschaftlichen Umbrüche seit Jahr- zehnten. Nachmehr als 20 JahrenDeflationund Negativzinsen ist das Land entschlossen in ein neuesRegime übergegangen, das durchmode- rate Inflation, Lohnwachstum und strukturelle Reformen geprägt ist. Für Investoren schafft dieserWandel nicht nur Chancen, sondern auch zunehmende Dispersion. Im Jahr 2024 beendete die Bank of Japan ihre Negativzinspolitik, hob die Zinsen erstmals seit 17 Jahren an und setzte anschließend ihren vorsichtigenNormalisierungskurs fort. Die Infla- tion hat sich bei rund zwei Prozent stabilisiert, unterstützt durch nachhaltiges Lohnwachstum sowohl bei Großunternehmen als auch bei kleinen undmittleren Unternehmen. Diese Nor- malisierung untergräbt das Wachstum nicht, sondern spiegelt vielmehr einen nachhaltigen Ausstieg aus der Deflationwider. Gleichzeitig hat sich das politische Umfeld Japans gefestigt. Nach den vorgezogenen Neu- wahlen sicherte sich die regierende Liberal- demokratische Partei eine Zweidrittelmehr- heit imUnterhaus. Dies gewährleistet politische Kontinuität und stärkt die Reformagenda der Regierung. Reformen imBereich der Corporate Governance stehen weiterhin im Mittelpunkt. Eine für 2026 erwarteteÜberarbeitung des Cor- porate-Governance-Kodex soll die Kapitaleffizi- enz und die Rechenschaftspflicht des Manage- ments verbessern – und damit sowohl leis- tungsschwache Unternehmen als auch Unter- nehmen mit hohen Liquiditätsbeständen unter Druck setzen, die Aktionärsrenditen zu steigern. Auch die binnenwirtschaftliche Dynamik ver- ändert sich. Moderate Inflation beeinflusst das Verhalten der privaten Haushalte, fördert den Konsum und begünstigt eine Umschichtung von Bankeinlagen in Aktienanlagen. Die Aus- weitung des steuerbegünstigtenNISA-Sparpro- gramms unterstützt zusätzlich die Beteiligung privater Anleger. Gleichzeitigwirderwartet, dass der externe Tourismus die Marke von 40 Millio- nen Besuchern überschreitet und damit einen bedeutenden Beitrag zum BIP leistet. Auch die ausländischen Direktinvestitionen – insbeson- dere in den Bereichen Halbleiter- und fortge- schrittene Fertigungstechnologien – steigen an. Trotz dieser positiven Impulse bestehen die demografischen Herausforderungen Japans fort. Der strukturelle Wandel reduziert die Dis- persion nicht – er verstärkt sie. Der Übergang von Deflation zu Inflation verändert die Wettbe- werbsdynamik grundlegend. Unternehmen mit Preissetzungsmacht, effizienter Kapitalallo- kation und anpassungsfähigen Management- teams sind gut positioniert, um zu profitieren. Andere – insbesondere solche, die auf volumen- getriebene Niedrigpreismodelle angewiesen sind oder über schwache Bilanzen verfügen – geraten in einem Umfeld steigender Zinsen zunehmend unter Druck. Mit rund 4.000 börsennotierten Unternehmen tritt der japanische Aktienmarkt daher in eine Phase zunehmender Differenzierung ein. Japans einzigartiges Marktumfeld In den letzten 30 Jahren hat sich das US-ame- rikanische BIP verdreifacht, während Japan in diesem Zeitraum nahezu kein Wachstum ver- zeichnete. In einer stark expandierenden Wirt- schaft haben selbst schwächelnde Unterneh- men die Möglichkeit, in gewissem Maße zu Warum eine Long-Short-Strategie? Erfolgreich im einzigartigen wirtschaftlichen Umfeld Japans Der japanische Markt befindet sich weiterhin im Wandel – begleitet von anhaltenden Marktschwankungen. Wie kann ein Bottom-up-Long-Short-Ansatz durch dieses Umfeld navigieren?
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