FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026

Retailisierung des Privaten Dank des ELTIF erleben Investments in die Private Markets einen Aufschwung. Das ruft auch Kritiker auf den Plan. Ihre Argumente sind teils stichhaltig, teils scheinen sie demNeid geschuldet. D ie hohe Aufmerksamkeit, die den Private Markets durch die ELTIF- 2.0-Verordnung als aufstrebendem Inves- titionsuniversum derzeit zukommt, sorgt für kontroverse Diskussionen. Befürwor- ter betonen die Vielzahl der Möglichkei- ten und begrüßen die „Demokratisie- rung“ von Anlagechancen, die bisher nur dem elitären Kreis institutioneller Inves- toren zugänglich gewesen seien. Kritikern gelten die neuen Anlageprodukte als zu komplex, überteuert und intransparent – vom Problem der fehlenden Kongruenz der Fristen von Asset- und Kapitalbindung mal ganz abgesehen. Politisch gewollt Dabei hat die Politik mit der Eta- blierung des ELTIF gezeigt, dass sie ver- standen hat, dass die Modernisierung der Infrastruktur und die Förderung zukunftsträchtiger Unternehmen ohne die Mobilisierung privaten Kapitals trotz des verabschiedeten Schuldenpakets nicht ]X ljQDQ]LHUHQ VHLQ ZHUGHQ Ľ'LH VWDUNH ĆȬHQWOLFKH :DKUQHKPXQJ GHV (/7,) LVW auch davon geprägt, dass ausländische, insbesondere US-amerikanische Anbieter darin ein Instrument sehen, auf dem deut- schen Markt und bei deutschen Privat- NXQGHQ ]X ZDFKVHQĺ VDJW .ODXV :HEHU Geschäftsführer beim Sachwertanbieter Patrizia Grundinvest, der einen Infrastruk- tur-ELTIF im Angebot hat. Das Interesse an einer Verbreiterung des Vertriebs haben auch hiesige Anbieter, die zuvor vor allem institutionelle Investoren angesprochen haben, wenn auch mit- unter eher aus einer Verlegenheit heraus: „Da Private-Equity-Ausschüttungen nach dem Zinsanhebungszyklus 2022 auf ein KLVWRULVFKHV 7LHI ljHOHQ PXVVWHQ YLHOH LQVWL tutionelle Anleger ihre neuen Zusagen entsprechend reduzieren“, erklärt Manuel Kalbreier, der als Head of Alternatives Specialists das europäische Geschäft mit institutionellen Kunden bei Neuberger Berman leitet. „Dies führte zu einem her- ausfordernden Fundraising-Umfeld, das GPs dazu veranlasste, ihre LP-Basis zu verbreitern und sich stärker auf das Inter- mediärgeschäft zu konzentrieren.“ Mit GPs sind General Partners, die Manager, gemeint. LP steht für Limited Partners, also die Geldgeber. Aus Sicht der Privatan- leger sei das durchaus zu begrüßen, meint Kevin Naumann, Head of Asset Manage- ment Consulting bei KPMG. „Man kann bereits mit geringen Beträgen an einer Breite von alternativen Assets partizipie- ren, die vorher so nicht gegeben war. Das bietet eine neue Chance zur Teilhabe für den breiten Markt.“ Resterampe? Hinter vorgehaltener Hand vernimmt man indes Stimmen, denen die Abkehr großer Anbieter von ihrer vormals rein institutionellen Kundschaft verdächtig erscheint. Das habe damit zu tun, so ELTIFs sind für ein breites Publikum das Eintrittstor in Gärten, die bisher hinter hohen Hecken Privatsphäre versprachen. Wer sie betritt, kann erfahren, dass hier ganz andere Kulturen gehegt werden. » Der ELTIF entspricht mehr oder weniger den UCITS-Anforderungen. « Kevin Naumann, KPMG 240 fondsprofessionell.de 1/2026 SACHWERTE Private Markets FOTO: © DAGMAR GÄRTNER | STOCK.ADOBE.COM

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