FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
denn sonst wäre ja die Bruttopolice bes- ser“, betont Vertriebsexperte Beenken. Das beziehe sich zum einen auf die Höhe der Vergütung und zum anderen auf die Stornohaftung. Aus Gerichtsverfahren und über Insiderinformationen kennt er Vergütungsforderungen im Bereich von 70 bis 80 Promille. „Das ist unanständig, wenn gleichzeitig die Zillmerhöchst- grenze bei der Bruttopolice 25 Promille EHWUÌJW XQG GLH %DljQ IUĞKHU HLQH DEVROXWH Obergrenze von 40 Promille angeordnet hatte“, so der Wissenschaftler. „Die Ober- JUHQ]H PXVVWH GLH %DljQ ]ZDU zurücknehmen, was aber nicht heißt, dass plötzlich eine doppelt so hohe Vergütung in Ordnung ist“, warnt Beenken. Ruf nach dem Gesetzgeber „Nicht allein der Versicherer, sondern vor allem der Gesetzgeber sollte klare Grundlagen für Nettopolicen und Ver- JĞWXQJVKĆKHQ VFKDȬHQĺ IRUGHUW 7KRPDV Nierhaus, Geschäftsführer der Beratungs- gesellschaft GN Finanzpartner, die in der Altersvorsorge auf Nettopolicen setzt. „Einheitliche Regeln würden Kunden wie Vermittlern Orientierung geben“, ist er überzeugt. „In der Beratung stellen wir in HLQHU ljQDQ]PDWKHPDWLVFKHQ Analyse Brutto- und Nettota- rife inklusive Honorarkosten objektiv gegenüber, sodass der Kunde schwarz auf weiß sieht, wie sich Kosten und Renditen entwickeln“, erläutert Nier- haus. Manche Vermittler berechneten aber 2,5 bis fünf Prozent der Beitragssumme und zusätzlich Betreuungsho- norare von bis zu einem Pro- zent des Fondsguthabens. Da fahre der Kunde oft schlechter als mit einer Bruttopolice. Nierhaus’ Kunden bevorzu- JHQ PHLVW (7)V 1HWWRSROLFHQ VHLHQ RIW GLH NRVWHQHȯ]LHQWHVWH Lösung, weil sie Abschluss- provisionen und hohe Betreuungskosten YHUPHLGHQ ljQGHW HU 'LH %DljQ NULWLVLHUWH YRU DOOHP GLH IHKOHQGH 7UDQVSDUHQ] EHL den Versicherern, nicht das Nettokonzept an sich. „Analysen zeigen regelmäßig, dass Nettotarife selbst bei konservativen Annahmen bessere Ergebnisse erzielen als klassische Provisionstarife“, so der Makler. Damit würden viele Kunden den echten Mehrwert erkennen und sich bewusst für die Nettopolice entscheiden. VSH-Police checken Möchte ein Versicherungsmakler Netto- policen gegen Honorar vermitteln, sollte er dies im Einklang mit seiner Ver- mögensschadenhaftpflichtversicherung (VSH) tun. Ein namhafter VSH-Anbieter hielt dies kürzlich für einen Ausschlusstat- bestand; nur Versicherungsberater (nach Paragraf 34d Absatz 2) seien dazu befugt. „Makler sind durchaus berechtigt, vergü- tungsfreie Produkte im Rahmen erfolg- reicher Vermittlung mit einem Honorar gegenüber dem Privatkunden abzurech- nen“, widerspricht Stephan Michaelis, Partner der Kanzlei Michaelis Rechtsan- wälte. Gewerberechtlich sei dies zulässig. Der Bundesgerichtshof habe zudem ent- schieden, dass ein Makler im Rahmen HLQHV 7DULIZHFKVHOV EHUHFKWLJW VHL HLQ erfolgsabhängiges Honorar zu nehmen (Az.: I ZR 77/17). „Die Erfolgsabhängigkeit ist hier der zentrale Bestandteil einer Ver- gütungsabrede“, ergänzt der Fachanwalt für Versicherungs- recht. Und genau dies sei ja GDV 7\SLVFKH DQ GHU 0DNOHU - tätigkeit – der Vermittlungs- erfolg. Michaelis kennt keine Klausel, wonach die Vermitt- lung von Nettopolicen gegen Honorar nicht versichert ist. „Wenn ein Erfolgshonorar ver- einbart werden kann, handelt es sich um eine rechtmäßige Versicherungsvermittlung“, so der Anwalt. Bei erfolgreicher Vermittlung greife die Aus- schlussklausel der wissentli- FKHQ 3ijLFKWYHUOHW]XQJ QLFKW DETLEF POHL FP 282 fondsprofessionell.de 1/2026 FONDS & VERSICHERUNG Lebensversicherung FOTO: © GN FINANZPARTNER Deutliche Unterschiede Abschlusskostenquoten ausgewählter Lebensversicherer 1 Die durchschnittlichen Abschlusskostenquoten der Lebensversicherer liegen teils signifikant auseinander, zeigt diese „Map-Report“-Analyse. 1 MyLife imRatingnichtberücksichtigt,weilwenigerals15.000Rentenpolicen imBestandunddieAbschlusskostenquotenzudemnicht vergleichbarsind| 2 brutto inProzentderBeitragssummedesNeugeschäftsproJahr Quelle:Map-Report941/2025 0 1 2 3 4 5 6 7 Dialog Condor Marktdurchschnitt Continentale LV 1871 R+V Alte Leipziger Cosmos Allianz Inter Durchschnittliche Abschlusskosten der Jahre 2020 bis 2024 2 2,65 3,60 3,62 4,18 4,26 4,41 4,48 4,51 5,94 7,50 » Nettotarife erzielen selbst bei konservativen Annahmen bessere Ergebnisse als Provisionstarife. « Thomas Nierhaus, GN Finanzpartner
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