FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
Zahlen , bitte! Die Beiträge zur Krankenversicherung erreichen immer neue Höchststände. Das liegt nicht nur an der Demografie, sondern auch daran, dass sich einige Leistungserbringer schamlos bedienen. F ür 2026 haben die gesetzlichen Kran- kenkassen (GKV) drastische Erhöhun- gen beim Zusatzbeitrag vornehmen müs- sen. Bei einem gleichbleibenden allge- meinen Satz von 14,6 Prozent verlangen manche Kassen schon über 4,35 Prozent Zusatzbeitrag. Dennoch reicht die Ein- nahmenerhöhung nicht aus, um die 6FKLHijDJH YRQ LPPHU PHKU .DVVHQ ]X beseitigen. Doch auch die private Kran- kenversicherung (PKV) ächzt unter so gro- ßen Beitragssprüngen wie selten zuvor, vor allem durch die steigende Lebenserwar- tung und wachsende Ausgaben. „Wir sehen einen anhaltend starken Anstieg der medizinischen Leistungsaus- gaben, und zwar in allen Bereichen“, sagt PKV-Verbandsgeschäftsführer Dominik Heck. Allein für allgemeine Kranken- hausleistungen musste die PKV 2024 über zehn Prozent mehr zahlen als imVorjahr. Nicht anders im ambulanten Bereich: Die Ausgaben für Arzneimittel stiegen um fast zehn Prozent, für Heilmittel wie Physio- oder Ergotherapie um etwa neun Prozent, und für ambulante Arztbehandlungen, die einen großen Anteil an den Leistungs- ausgaben der PKV haben, gab es einen Kostenanstieg von über acht Prozent. Die Folge: Zum Jahresbeginn 2026 stiegen für rund 60 Prozent der Privatver- sicherten die Beiträge. „Die durchschnitt- liche Anpassung lag bei etwa 13 Prozent“, so Heck. Eine Stichprobe bei den fünf Anbietern mit den meisten Vollversicher- ten zeigt, dass diese Zahlen noch nicht in Stein gemeißelt sind. Die Debeka berich- tet von 6,5 Prozent Beitragsanpassung, die Allianz von elf Prozent, Signal Iduna von 19 Prozent (im Zweijahresdurchschnitt zehn Prozent), und die Axa bewegt sich nach eigenen Angaben „im Branchen- durchschnitt“. Der zweitgrößte Anbieter DKV passt die Beiträge erst zum 1. April an. Seit 2006 stiegen die Beitragseinnah- men in der PKV im Schnitt um 3,4 Pro- zent pro Jahr, in der GKV um 3,9 Prozent VLHKH *UDljN QÌFKVWH 6HLWH Selbstbedienung „Kostentreiber auf der Leistungsseite ist nicht nur der medizinische Fortschritt“, sagt Alexander Kirschweng. „Ich beob- achte eine zunehmende kreative Abrech- nungsmentalität von Ärzten und Kliniken sowie eine Vollkostenmentalität der Versi- cherungsnehmer“, so der Geschäftsführer des Maklers Seves in Trier. Er ist seit 1995 in der Branche tätig und berät seither auch in der PKV. „Ich habe echt Bauch- schmerzen wegen der Zukunft der PKV und meiner dortigen Kunden“, sagt er. Manchen Ärzten unterstellt er Gier. In den vergangenen Jahren häuften sich bei Kirschweng die Rückfragen von PKV- Kunden, warum der Versicherer die eine RGHU DQGHUH $EUHFKQXQJV]LȬHU QLFKW mehr bezahle. Dabei würden immer öfter Ganz so plumpwie auf diesemSym- bolfoto gehen Arztpraxen in aller Regel nicht vor. Meist bekommt der Privatpatient eine Rechnung. Doch was dort alles zu finden ist, darf mitunter als durchaus dreist gelten. » Wird ein Arzt mehr- mals bei einer falschen Abrechnung erwischt, sollte er das Mehrfache des Honorars als Strafe bezahlen. « Alexander Kirschweng, Seves 284 fondsprofessionell.de 1/2026 FONDS & VERSICHERUNG Krankenversicherung FOTO: © KALIM | STOCK.ADOBE.COM
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