FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
zial bietet: Zunächst sollen Blau Direkt und Netfonds zwar unabhängig vonein- ander bestehen bleiben. Klar ist aber auch, dass langfristig viele interne Funktionen zusammengelegt werden könnten. Doch es geht nicht nur um die Geschäftsbereiche Versicherungen und Investments, die sich gut ergänzen. Blau Direkt begann mit Warburg Pincus im Rücken auch, im großen Stil Makler- bestände aufzukaufen. In dieses Geschäfts- feld – mit einem Fokus auf Fonds – wollte Netfonds ohnehin einsteigen. Ľ'LH 'HPRJUDljH VFKOÌJW XQHUELWWOLFK zu“, sagt Netfonds-Vorstandschef Martin Steinmeyer. „Es ist absehbar, dass sich immer mehr Berater zur Ruhe setzen und ihren Bestand verkaufen möchten. Dafür müssen wir eine Lösung bieten – nicht zuletzt deshalb, weil wir als Unternehmen ein großes Interesse daran haben, die Bestände bei uns auf der Plattform zu halten.“ Im Idealfall kümmere sich ein Vermittler rechtzeitig selbst um dieses Thema. „Ich freue mich für jeden Bera- ter, dem es gelingt, im eigenen Unterneh- men einen Nachfolger aufzubauen oder sein Lebenswerk im Alter zu verkaufen“, betont Steinmeyer. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das nicht der Regelfall ist.“ Daher habe Netfonds vor rund zwei Jahren damit begonnen, an tragfähigen Nachfolgemodellen zu arbeiten. „Im Ver- sicherungsbereich sind bereits mehrere kapitalstarke Aufkäufer aktiv, im Invest- mentbereich gibt es bislang dagegen nur kleinere Anbieter“, so der Netfonds-Vor- stand. „Das möchten wir ändern.“ Da kommen das Geld von Warburg Pincus und das Bestandsübernahme-Know-how von Blau Direkt gerade recht. Gemischte Reaktionen In der Branche stößt der Netfonds-Deal auf ein gemischtes Echo. „Die Transaktion unterstreicht die Attraktivität deutscher Plattformmodelle und zeigt, dass sich der Markt jetzt schnell konsolidiert“, sagt Sebastian Grabmaier, Vorstandschef der JDC Group. Die Synergie zwischen 1HWIRQGV XQG %ODX 'LUHNW VHL RȬHQVLFKW - lich. Für die Makler gebe es jedoch einen Wermutstropfen: „Zum Geschäftsmodell von Pivate-Equity-Firmen gehört, dass mit dem neuen Inhaber irgendwann ein Exit ansteht.“ Es bleibe abzuwarten, ob im endgültigen Käufer der ideale langfristig orientierte Partner gefunden werde. „Für die Alteigentümer von Netfonds ist der Deal von Vorteil, sie bekommen viel Geld für ihre Anteile“, sagt Fondskon- zept-Vorstandschef Hans-Jürgen Bretzke. „Klar ist aber auch: Wer verkauft, hat abgeschlossen.“ Für sein Unternehmen sehe er den Deal als Chance. „Fondskon- zept ist jetzt der einzige verbliebene Invest- mentpool mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz, der einem kleinen Kreis an Eigentümern gehört und daher wirklich unabhängig agieren kann.“ Sehr skeptisch äußert sich Apella-Vor- standschef Guntram Schloß. Für ihn wirft der Einstieg einer Private-Equity-Firma „grundlegende Fragen zur künftigen Unabhängigkeit der Maklerpartner“ auf. „Trotz Beteuerungen zur Eigenständigkeit lehrt die Erfahrung, dass wahre Freiheit endet, sobald ‚anderer Leute Geld‘ domi- niert“, sagt er. „Die Exit-Orientierung der Investoren kann so zum Risiko für das Lebenswerk des Maklers werden.“ Schloß betont zudem, dass hohe Fremd- kapitalhebel anfällig machen könnten. „Da operative Gewinne oft in den Schul- GHQGLHQVW VWDWW LQ GHQ 0DNOHUVHUYLFH ijLH - ßen, sinkt die langfristige Widerstands- kraft“, vermutet er. Hinzu komme die Gefahr, dass „Makler als Kostenfaktor“ gesehen werden könnten. „Unter dem Renditedruck der Investoren drohen per- sönlicher Service durch anonyme Ticket- Systeme ersetzt und Courtagevereinbarun- gen optimiert zu werden“, mahnt Schloß. Der Apella-Chef sieht die Branche am Scheideweg: „Die Interessen von Private (TXLW\ VWHKHQ LP IXQGDPHQWDOHQ .RQijLNW mit Kernwerten des Maklers.“ Für ihn stelle sich die Frage, „ob die Seele der unabhängigen Beratung in einem rendite- getriebenen Konstrukt überleben“ könne. Provisionen gekürzt Eine Szene aus dem letzten Jahr illus- triert, dass Schloß durchaus einen Punkt hat – zugleich aber auch, dass er womög- lich zu schwarz malt. Kurz vor Ostern 2025 befürwortete Kai-Uwe Laag, der erst ein Dreivierteljahr davor an die Spitze von Blau Direkt gerückt war, die Idee, verdien- ten Maklern die Provision zu kürzen. Der Aufschrei war so groß, dass Laag sich zer- knirscht entschuldigte und die Courtage- anpassung schnell wieder einkassierte. Einige Monate später legte er sein Amt nieder, „aus persönlichen Gründen“, wie es hieß. Gegen die Interessen der wich- tigsten Kunden handeln? Keine gute Idee. Dieser Fehler wird einem Pool aus dem Warburg-Pincus-Portfolio wohl kein zwei- tes Mal passieren. BERND MIKOSCH FP 308 fondsprofessionell.de 1/2026 VERTRIEB & PRAXIS Maklerpools FOTO: © THALHOFER I FONDSKONZEPT AG, APELLA » Die Exit-Orientierung der Investoren kann zum Risiko für das Lebenswerk der Makler werden. « Guntram Schloß, Apella
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