FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026

U nsere Einschätzung der Aussichten vonKapi- talmärkten krankt in aller Regel an unse- rer begrenzten Lebenszeit. Auch wer über viel Erfahrung verfügt, überblickt nur die letzten 30, vielleicht 40 Jahre. Heute aktive Kapitalmarkt- teilnehmer erinnern sich längstens bis Mitte der 1980er-Jahre zurück– eineZeit, diedurchaus große Umbrüche sah, vonderDotcom-Blase bis zur Sub- prime-Krise. 40Börsenjahre können aber auch völ- lig anders verlaufen, wie eine imHerbst 2025 pub- lizierte Studie des Deutsche Bank Research Insti- tute belegt. In ihr analysiert das Teamum JimReid 200 Jahre Kapi- talmarktgeschichte aus 56 Volkswirtschaften und zeigt: Realrendi- WHQ NĆQQHQ LQ =HLWHQ YRQ ,QijDWLRQ RGHU .ULHJ ĽVHKU VFKOHFKWĺ DXV - fallen – und das nominale BIP-Wachstum, der langfristige Anker DOOHU $VVHWUHQGLWHQ LVW LQGHQ ,QGXVWULHOÌQGHUQ VWUXNWXUHOO UĞFNOÌXljJ (LQH GHU ZLFKWLJVWHQ /HKUHQ DXV ]ZHL -DKUKXQGHUWHQ EHWULȬW GDV 5LVLNR YRQ$QOHLKHQ ,QijDWLRQVEHUHLQLJW NĆQQHQ9HUOXVWH EHL 6WDDWV - anleihenwährendglobaler Schocks permanent sein, währendAktien sich historisch gesehenmeist von kriegsbedingtenEinbrüchen erho- OHQ $OV ĽVLFKHUĺ KDW VLFK ]XOHW]W KLQJHJHQ *ROG HUZLHVHQ 'DV 0H - WDOO KDW LP -DKUKXQGHUW ELVKHU DQGHUH $QODJHNODVVHQ ĞEHUWURȬHQ – mit einer realen Rendite von rund 7,5 Prozent per annum seit dem Jahr 2000, womit es sogar US-Aktien (5,8%) schlagen konn- WH 2E *ROG GLHVH 5HQGLWH LQ GHQ NRPPHQGHQ -DKUHQ ZLHGHU - holen kann, ist jedoch fraglich – wer etwas älter ist, erinnert sich, dass man die Unze schon für knapp 260 US-Dollar kaufen konnte. (LQ ZHLWHUHU ]HQWUDOHU %HIXQG EHWULȬW GLH 'HPRJUDljH 9RQ untersuchten Volkswirtschaften dürften 32 bis 2050 eine schrump- IHQGH (UZHUEVEHYĆONHUXQJ DXIZHLVHQ /ÌQGHU PLW UĞFNOÌXljJHU (U - werbsbevölkerung verzeichneten im21. Jahrhundert das schwächs- te reale BIP-Wachstum – mit direkten Folgen für künftige Renditeerwartungen. Unterm Strich lassen sich aus der Arbeit drei zentrale Erkenntnisse für die Finanzberatung ab- OHLWHQ HUVWHQV 9RUVLFKW EHL GHU'LYHUVLljNDWLRQĞEHU Bonds. Die negative Korrelation zwischenAktien und Anleihen ist keineNaturkonstante; in einem durchAngebotsschocks getriebenenUmfeldbieten sie keine verlässlicheAbsicherung. Die Studie ergab jedoch auch, dass ein regelmäßig rebalanciertes 60/40-Portfolio historisch fast überall das beste Risiko-Rendite-Verhältnis lieferte – Anleihen haben gerade bei nie- drigemWachstum ihren Platz. Zweitens zeigt die Arbeit, dass die (LQVWLHJVEHZHUWXQJ ł .*9 XQG&$3(5DWLR ł GDV EHVWH 3URJQRVH instrument für Erfolg ist. Die USA sind hierbei das einzige Land, in dem Aktien in keinem 25-Jahres-Zeitraum hinter Anleihen zu- UĞFNljHOHQ 'RFK GLH DNWXHOOHQ 86 %HZHUWXQJHQ QÌKHUQ VLFK GHP Niveau der Dotcom-Blase, danach folgten zehn extrem schlechte Aktienjahre. In einem Umfeld hoher Risiken lohnt es sich, Port- folios in Richtung günstigerer Märkte auszurichten. Drittens zeigt die Studie die Bedeutung der Währung: 25 von 55 Währungen haben in den letzten 100 Jahren gegenüber dem US-Dollar um mehr als 99 Prozent an Wert verloren. Wir bedanken uns bei allen, die am diesjährigen FONDS SURIHVVLRQHOO .21*5(66 WHLOJHQRPPHQ KDEHQ Gerhard Führing Mamdouh El-Morsi Gerhard Führing, Mamdouh El-Morsi Stabilität ist die Ausnahme Eine 200-Jahres- Kapitalmarktanalyse von Deutsche Bank Research zeigt, womit man in einem langen Anlegerleben wirklich rechnenmuss. 4 fondsprofessionell.de 1/2026 MEINUNG Brief der Herausgeber FOTO: © MARLENE FRÖHLICH | LUXUNDLUMEN

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