FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026
in Eigenregie in den Kapitalmarkt inves- tieren“, ist Kommer überzeugt. „Mehr als die Hälfte wird irgendeinen Dienstleister nutzen, sei es ein Finanzanlagenvermittler, ein Vermögensverwalter oder eine Bank.“ Je vermögender die Menschen seien, desto eher nutzten sie eine Dienstleistung bei Finanzfragen, glaubt Kommer zudem. Dahinter stehe die Einstellung: „Das ist es mir wert oder meine Zeit ist zu teuer.“ „Die Subspezies Mensch, die Excel-Tabellen führt und Depotberichte liest, ist eher klein“, führt Kommer aus. Der Anteil der Selbstentschei- der werde zwar zunehmen. „Gerade junge Menschen stei- gen in die Kapitalmärkte ein. ETFs sind in Deutschland sehr erfolgreich“, sagt Kommer. „Da haben wir innerhalb der westlichen Länder mal nicht die rote Laterne umgehängt bekommen.“ Aus seiner Erfahrung als Vermögensverwalter beobach- tet Kommer aber fünf ver- schiedene Typen, die nach wie vor eine Beratung zu den Kapitalmärkten wünschen. Ein Teil traue es sich selbst schlicht nicht zu. „Viele nehmen den Ölwechsel bei ihrem Auto ja auch nicht selbst vor“, erläutert Kommer. Eine zweite *UXSSH ljQGH QHEHQ %HUXI )DPLOLH XQG Hobby keine Zeit. Der dritte Typus seien Erben, die nicht allein die Verantwortung für das Familienvermögen übernehmen möchten. Bei der vierten Kategorie handle es sich typischerweise um ältere Ehepaare. „Hier möchte der eine Partner sicherstellen – der Entscheider, statistisch bisher meistens Männer –, dass die Partnerin gut abgesi- chert ist und eine Lösung festgezurrt ist, sollten einmal gesundheitliche Probleme beim Entscheider auftreten“, berichtet Kommer. „Der fünfte Typ sind schließlich Unternehmer.“ Diese seien überzeugt, dass Spezialisten bessere Ergebnisse abliefern. Nie schlauer als der Markt Köppl von Eigenmandat bezweifelt jedoch, dass Berater wirklich bessere Ergebnisse abliefern. „Die Wissenschaft zeigt: Wenn Anleger ihr Portfolio anhand einer klassischen weltweiten Streuung aus- richten, fahren sie über lange Zeiträume weitaus besser als fast alle Fondsmanager oder Vermögensverwalter“, so der V-Bank- Mitgründer. „Der Großteil der Menschen benötigt ehrlicherweise keinen Berater.“ Dahinter stehe implizit die Vorstellung, dass jemand den Markt auf Dauer schla- gen kann. „Doch niemand ist schlauer als der Markt“, betont Köppl. Natürlich gebe es viele sehr gute Berater, räumt Köppl ein. „Diese sorgen für eine vernünftige Umsetzung der Anlagestrate- gie, bewahren die Kunden vor Kurzschlussreaktionen und schauen, dass die Vermögens- aufteilung konsequent durch- gehalten wird“, erläutert der Finanzmarktkenner. Zudem könne es an bestimmten Punkten sinnvoll sein, Steuer- berater oder Wirtschaftsprüfer hinzuzuziehen. „Aber es gibt eben auch solche Berater, die ordentlich Geld kosten. Das muss erst mal erwirtschaftet werden.“ Einig sind sich beide Seiten in einem Punkt: dass Kosten maßgeblich an der Rendite zehren. SEBASTIAN ERTINGER FP 410 fondsprofessionell.de 1/2026 BANK & FONDS Selbstentscheider FOTO: © MARKUS KÖPPL, MARINA TERECHOV | FONDS PROFESSIONELL | GERD KOMMER Wo die Münzen schlummern Verteilung des Geldvermögens deutscher Privathaushalte DieDeutschenklammern sichanBankkontenundVersicherungen, während sie den Kapitalmarkt scheuen. * inklusiveGeldmarktundZertifikate|Quelle:DZBank,Bundesbank Gesamt- vermögen: 10 Bio. Euro Anleihen* 2,5 % + + Aktien 9,9 % Sonstige 10,5 % Einlagen und Bargeld 35,7 % Versicherungen 25,7 % Fonds 15,7 % Markus Köppl, Eigenmandat: „Es gibt eben auch solche Berater, die ordentlich Geld kosten. Dasmuss erst mal erwirtschaftet werden.“ Gerd Kommer, Gerd Kommer Invest: „ Der Großteil der Bevölkerungwird niemals in Eigenregie in den Kapitalmarkt investieren.“
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