SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

Gabriel Felbermayr: „Verschuldung? Ja, aber …“ Gabriel Felbermayr , erstes österreichisches Mitglied im Sachverständi- genrat der Bundesregierung („Wirtschaftsweise“), sieht Europas Industrie mitten in einem tiefgreifendenWandel. Für Investoren entstünden dadurch neue Risiken – aber auch Chancen. D er Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) und frühere Präsident des Kiel Insti­ tuts für Weltwirtschaft sieht tiefgreifende strukturelle Veränderungen, die derzeit insbesondere die Industrie prägen. Regio­ nen mit starker industrieller Basis stehen unter Druck. Vor allem energieintensive Branchen litten unter deutlichen Standort­ nachteilen im internationalenWettbewerb. „Klar ist, da hat Deutschland einen echten Standortnachteil“, sagte Gabriel Felbermayr im FONDS professionell Podcast. Gleichzeitig erkennt Felbermayr in der Transformation auch Chancen. Neue Industrien – etwa im Bereich Rüstung oder Zukunftstechnologien – könnten Arbeitskräfte aufnehmen und neue Wachstumsimpulse setzen. Entscheidend sei jedoch, dass politische Rahmenbedin­ gungen diesen Wandel unterstützen, statt ihn zu behindern. Energiepreise belasten Europa Ein zentrales Thema bleibt für den Öko­ nomen die internationale Wettbewerbs­ fähigkeit. Hohe Energiepreise belasteten europäische Unternehmen deutlich stär­ ker als Konkurrenten etwa in den USA. Gerade in energieintensiven Branchen könne dies schnell existenzielle Auswir­ kungen haben. Felbermayr plädiert des­ halb für einen realistischen Umgang mit globalem Wettbewerb – einschließlich handelspolitischer Instrumente, wenn Wettbewerbsverzerrungen durch Subven­ tionen oder Währungseffekte entstehen. Wandel aktiv gestalten Für Felbermayr steht fest: Der Wandel – etwa in der Automobilindustrie – ist unausweichlich. „Diese Entwicklung wird man nicht aufhalten können – und soll man wohl auch nicht aufhalten.“ Wichtiger sei es, den Übergang aktiv zu gestalten und neue Perspektiven zu schaf­ fen. Dabei spiele die Qualifizierung von Arbeitskräften eine zentrale Rolle. Inves­ titionen in Bildung und aktive Arbeits­ marktpolitik seien wichtiger als reine Transferleistungen. Schulden nur für Investitionen Auch die aktuelle Finanzpolitik bewertet Felbermayr differen­ ziert. Neue Schulden könn­ ten sinnvoll sein, wenn sie produktiv eingesetzt werden und langfristig Wachstum schaffen. „Eine Verschul­ dung muss das Volks­ vermögen vermehren“, betont er. Voraussetzung sei allerdings, dass die Mittel tatsächlich in Investitionen fließen – etwa in Infrastruk­ tur oder Zukunftsindustrien – und nicht in konsumtive Ausgaben. Trotz aller Risiken zeigt sich Felbermayr nicht pessimistisch: Europas wirtschaftliche Substanz sei intakt – mit leistungsfähigen Unternehmen, qualifizierten Arbeitskräf­ ten und hoher Innovationskraft. Keynote beim FONDS professionell INVESTMENTFORUM 22. SEPTEMBER 2026 Frankfurt SACHWERTE Keynote SPEZIAL 12 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © ALEXANDER MUELLER

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