FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Sinne des Aktionärs gewirtschaftet wird. Und das ist unmittelbar wertrelevant. Sailer: Eine amerikanische Investment- bank hat das quantitativ belegt: Wenn bei einem Unternehmen eine schwere Kon- troverse publik wird, fällt dessen Aktie. Aber bei Unternehmen mit gutem ESG- Rating erholt sich der Kurs auch wieder deutlich schneller. Das ESG-Rating funk- tioniert als eine Art Managementqualitäts- faktor. Wer Supply-Chain-Due-Diligence macht undMitarbeitersicherheitstrainings durchführt, ist auf Krisen besser vorberei- tet, und das wird vom Markt entspre- chend honoriert. Kölsch: Wiemussman sich die Verzahnung von internemundexternemESG-Research bei IhremFonds vorstellen? Sailer: Wir können nicht alle Unterneh- men der Welt selbst analysieren. Für das Governance-Research etwa brauchen wir externe Daten zu Tausenden Aufsichtsrä- ten, um zu erfahren, über welche Exper- tise diese verfügen und in wie vielen weite- ren Boards sie einen Sitz haben. Das kann heute KI-gestütztes externes Research leisten. Aber wir verlassen uns nicht blind GDUDXI GHQQ ZLU ljQGHQ YHUHLQ]HOW DXFK Fehler in den Daten, manchmal bevor der Datenanbieter selbst eine Korrektur vornimmt. Plesmann: Jeder unserer Portfoliomanager hat die CESGA-Ausbildung absolviert und den ESG-Analyst-Titel erworben. 'DV JHKĆUW EHL XQV ]XU 3ijLFKWĞEXQJ 'LH Titelselektion soll bewusst nicht durch ein 9HWRUHFKW GHU (6* 2ȯFHU JHVWHXHUW ZHU - den. Der Portfoliomanager muss die Nach- haltigkeitsanalyse selbst vornehmen, denn er ist am Ende auch dafür verantwortlich, dass das Portfolio erfolgreich performt. Kölsch: Wie gehen Sie mit Normverstößen um? Welche Eskalationsstufen gibt es bis zumAusschluss? Sailer: Wir haben im Jahr 2016 damit begonnen, in allen Portfolios, die wir managen, Unternehmen, die gegen inter- nationale Normen verstoßen, auszu- schließen. Das ist nicht diskutierbar und steht so auch im Verkaufsprospekt. Dane- ben gibt es Mindestausschlüsse für Kohle- abbau, Fracking und Kohleverstromung, die ebenfalls nicht verhandelbar sind. Darüber hinaus werden bei Spezialfonds individuelle Kundenpräferenzen berück- sichtigt. Gewerkschaftliche Investoren etwa legen besonderen Wert auf Arbeit- nehmerrechte und wollen bestimmte Titel ausschließen. Kölsch: Aber wie betreiben Sie konkretes Engagement bei Unternehmen – und mit welchemZiel? Plesmann: Jeder unserer Portfoliomanager führt über 200 Unternehmensgespräche pro Jahr. Wo es relevant ist, nehmen wir Nachhaltigkeitsthemen explizit mit auf und halten die Ergebnisse in Gesprächs- notizen fest. Wir sind dabei ökonomisch getrieben, das heißt, dass wir keine Nach- haltigkeitsinitiativen vorantreiben, die hohe Kosten verursachen, aber am Ende kaum Resultate erzielen. Sailer: Daneben haben wir seit über zehn Jahren eine Partnerschaft mit Columbia Threadneedle als Engagement-Overlay. Dort werden unsere Assets mit denen anderer Investoren gepoolt, insgesamt sind das rund 700 Milliarden Euro. Das ermöglicht Gespräche auf der C-Level- Ebene, auch bei großen US-Tech-Unter- nehmen. Wir berichten zudem trans- parent auf unserer Website, wie wir bei jeder Hauptversammlung abgestimmt haben. Gerade in den USA hat sich an unserer Abstimmungspraxis durch das veränderte politische Umfeld nichts geändert. » Jeder unserer Portfolio- manager führt über 200 Unternehmensgespräche pro Jahr. Wo es relevant ist, nehmen wir Nachhal- tigkeitsthemen explizit mit auf und halten die Ergebnisse fest. « Ulf Plesmann, Metzler AM Ulf Plesmann (links) und Daniel Sailer (rechts), Metzler Asset Management 100 fondsprofessionell.de 2/2026 MARKT & STRATEGIE Nachhaltig nachgefragt | Ulf Plesmann + Daniel Sailer | Metzler Asset Management FOTO: © JOSÉ POBLETE FÜR FONDS PROFESSIONELL NACHHALTIG NACHGEFRAGT
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=