FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Investoren massenhaft US-Staatsanleihen gekauft haben. Denn die sind nicht mehr im gleichen Ausmaß der sichere Hafen wie früher, sonst wären die Zinsen viel stärker gefallen. Der Anstieg kam, weil 5RKVWRȬH LQ 'ROODU JHKDQGHOW ZHUGHQ XQG bei steigenden Preisen mehr Dollarliquidi- tät gebraucht wird. Wenn man aber die langfristige Perspektive im Auge behält: Ökonomen setzen die Kaufkraftparität bei über 1,30 gegenüber dem Euro an. Da hat der Dollar noch ein gutes Stück Abwertungspotenzial. Und wenn das die Marschrichtung der US-Regierung ist, müssen wir uns als Investoren und Berater entsprechend positionieren. Viele Strategen antworten auf Schocks mit mehrCash,mehrStaatsanleihen, einwenig Gold. Sie halten dem entgegen: Das reicht nicht,wir brauchen „Broadening“.Warum? Weil ein klassisches 60/40-Portfolio heute ]X DQJUHLIEDU LVW %HL 6WDJijDWLRQ NULHJH ich bei beiden Anlageklassen gleichzeitig Gegenwind. Hinzu kommt: Ich weiß nicht, wo der Dollar hingeht, also bin ich bei amerikanischen Staatsanleihen zusätz- lich exponiert. Das heißt, ich muss mich breiter aufstellen. Erstens über Anlageklas- VHQ KLQDXV 6WDJijDWLRQ 5RKVWRȬVFKRFNV exogene Krisen, das sind klassischerweise 3KDVHQ LQ GHQHQ 5RKVWRȬH JXW SHUIRUPHQ (LQH 5RKVWRȬEHLPLVFKXQJ KÌWWH LFK VRQVW vielleicht gar nicht auf dem Schirm. Oder ich gehe in illiquide Segmente wie Private Markets, Infrastruktur, Immobilien. Das Geld ist länger gebunden, aber ich verein- nahme eine Prämie dafür, und das dämpft normalerweise die Volatilität des Gesamt- SRUWIROLRV =ZHLWHQV JHRJUDljVFK 7HFKQR - ORJLH PXVV LFK QLFKW DOV 86 7HFK GHQNHQ Der koreanische Aktienmarkt ist nicht ohne Grund so stark gelaufen. Ich kann KI-Exposure auch über Schwellenländer in Asien abbilden, und das ohne Dollar- risiko und ohne die politische Nähe zu einer unberechenbaren Administration. Und drittens bei Anleihen: WarumUS-las- tig, wenn europäische Papiere die gleiche Sicherheitsfunktion ohne Währungsrisiko erfüllen? Schwellenländeranleihen bieten oft niedrigere Staatsverschuldungsquoten, und bei einem schwächeren Dollar perfor- men sie tendenziell gut. InklusiveLateinamerika? Inklusive Lateinamerika. ImMoment sind in Asien schon physische Knappheiten spürbar, was die Märkte dort belastet. Da wollen wir Alternativen haben. Und die ljQGHQ ZLU GHU]HLW HKHU LQ /DWHLQDPHULND Sie sprechen ungewöhnlich offen über Trump, institutionelle Erosion, politische Interessen.WelcheRolle schreibenSie sich selbst eigentlich zu? Neutraler Beobachter, AnwaltderAnlegeroderpolitischerAkteur? Von Letzterem kann man sich als politisch denkender Mensch nie ganz freimachen. Ich bin nicht wertfrei. Das geht eigentlich gar nicht, das hat man mir schon früh im Ökonomiestudium beige- bracht. Aber ich würde mich eher als neu- traler Beobachter und Anwalt der Anleger verorten. Viele Aussagen von Asset Mana- gern werden von der Compliance heute so glattgewaschen, dass man am Ende über- haupt nicht mehr erkennen kann, was da eigentlich die Meinung ist. Das wollen wir nicht. Wir wollen Ross und Reiter benennen, wir wollen ehrlich sein, mit uns selbst und mit unseren Kunden. Das ist unser Anspruch. VielenDank für dasGespräch. HANS HEUSER FP KURZ-V I TA : Martin Lück Martin Lück ist Chefstratege von Franklin Templeton für Deutschland, Österreich und Osteuropa sowie Gründer der unabhängigenMakro-ResearchfirmaMacroMonkey. Von 2015 bis 2024war er Chief Investment Strategist bei Blackrock für die deutschsprachigen Länder und Ost- europa, davor über acht Jahre Chefökonom für Deutsch- land und Europa bei der UBS. » Stagflation, Rohstoff- schocks, exogene Krisen – das sind klassischer- weise Phasen, in denen Rohstoffe gut performen. « Martin Lück, Franklin Templeton MARKT & STRATEGIE Martin Lück | Franklin Templeton 134 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
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