FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Physik. An der Universität in Gießen stu- diert er beide Fächer sowohl auf Lehramt als auch für den Diplomabschluss. „Jetzt gehen wir erst mal schön mittag- essen“, erklärt Andre Köttner. In einem griechischen Restaurant in einer der für Büdingen typischen von schiefen Fach- werkhäusern gesäumten Gassen hat er einen Tisch reservieren lassen. Hierher kommt er auch gern mit seiner Familie. „Meine drei Jungs fragen dann immer, ob sie auch zwei Hauptgerichte bestellen dürfen“, erzählt Köttner schmunzelnd. Die Mutter seiner drei Jungs, seine heutige Ehefrau, hat Andre Köttner schon wäh- rend der Schulzeit kennengelernt. „Sie hat dann später auch Mathematik in Gießen studiert“, berichtet er. Die ersten Aktien Während seiner Zeit an der Gießener Uni nimmt Andre Köttner einen Neben- job bei einer nahe gelegenen Sparkasse an. Dort sieht er jeden Tag Listen mit den Kursen der Dax-Werte und beginnt, sich für die Börse zu interessieren. Schließlich investiert er einen Teil des Geldes, das er bei der Sparkasse verdient hat, in VW- und BMW-Aktien – und erzielt tatsächlich gute Kursgewinne. „Das war zwar ein reiner Glücksfall, aber ich fand es faszinierend, dass man mit Aktienanlagen in kurzer Zeit sein Geld vermehren kann“, erzählt der heuti- ge Portfoliomanager. Mit der Zeit fesselt ihn das Thema immer mehr. Und als er 1995 sein Studiummit einer Eins mit Aus- zeichnung abschließt, entscheidet er sich dafür, zu einer Bank zu gehen. So bewirbt er sich bei verschiedenen großen Instituten, bekommt von allen Angebote für Trainee-Programme und QLPPW GLH 2ȬHUWH GHU GDPDOLJHQ '* Bank an, die 2001 durch Fusion mit der GZ-Bank zur DZ Bank wurde. „Die interessanteste Station im ganzen Trainee-Programm war für mich das Aktienfondsmanagement, in das ich bei Union Investment hineinschnuppern durfte“, erinnert sich Köttner, als es nach dem Mittagessen hinauf zum Büdinger Schloss geht. „Ich habe gesagt, dass ich dort gern fest anfangen würde, und das hat geklappt“, sagt er. 1996 besteht das Aktienteam aus fünf Personen, Andre Köttner bekommt sofort Fondsverantwor- tung und ist für den Technologiebereich zuständig. In der Euphorie Es ist die Zeit, als der Neue Markt täg- lich neue Rekorde bricht und einen von Köttners Fonds, der in entsprechende Werte investiert, mit nach oben reißt. „In meiner Euphorie und meinem jugend- lichen Leichtsinn habe ich mich ständig PLW )LUPHQYHUWUHWHUQ JHWURȬHQ DOOHV geglaubt, was die Manager mir erzählt haben, und viele Technologieaktien dann auch gekauft“, sagt er. Schon bald liegt sein Fonds um 87 Prozent über der Bench- mark, 1999 wird Branchenneuling Andre Köttner zum „Fondsmanager des Jahres“ gekürt. Doch im März 2001 kommt es zum Crash. Im Hof des Büdinger Schlosses weht ein laues Lüftchen, der Mai zeigt sich nun doch von seiner sanfteren Seite. „Nach dem Zusammenbruch des Neuen Mark- tes stellte sich heraus, wie viele Firmen, in die auch ich investiert hatte, gelogen und betrogen hatten“, erzählt Köttner. Bittere Gespräche In bitteren Gesprächen mit Anlegern, denen er beiwohnt, wird ihm erst jetzt voll bewusst, wie groß die Verantwortung ist, die er für das Geld fremder Menschen trägt. „Da habe ich mir geschworen, dass ich Managern, egal was sie mir erzählen, nie wieder einfach glauben werde“, sagt er. „Ich bin zum echten Skeptiker geworden.“ Die neue Skepsis setzt der junge Port- IROLRPDQDJHU LQ HLQHQ GUHLVWXljJHQ ,QYHVW - mentprozess um, den er auch beibehält, als er bei Union Investment Verantwor- tung für das größte Sondervermögen der Gesellschaft, den Aktienfonds Uniglobal, bekommt. Und auch als er 2013 zur Fondstochter der Deutschen Bank wech- selt, den DWS Vermögensbildungsfonds I und den DWS Akkumula übernimmt, hält er sich strikt an die selbst aufgestellten Regeln. (Näheres zum Investmentansatz lesen Sie im Interview ab Seite 144) „Wenn ein Unternehmen die ersten bei- den Stufen des Investmentprozesses erfolg- reich durchlaufen hat, folgen immer per- sönliche Gespräche mit denManagern vor Ort“, sagt Köttner, als der Weg vorbei an alten Gemäuern hinunterführt. Köttner und die sechs Fondsmanager in seinem Team unterhalten sich aber nicht nur mit dem Management der Unternehmen. „Wir sprechen auch mit Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern, Wettbewerbern“, » Ich habe mir geschworen, dass ich Managern, egal was sie mir erzählen, nie wieder einfach glauben werde. « Andre Köttner, DWS 140 fondsprofessionell.de 2/2026 PORTRÄT Andre Köttner | DWS FOTOS: CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL Kleiner Walk auf der Stadtmauer: Andre Köttner ist sehr sportlich. „Ich kann viele Sportarten, aber keine richtig gut“, sagt er ehrlich.
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