FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Ein Berg an Problemen? Während die Anbieter semiliquider Private-Debt-Fonds in den USA mit hohen Abflüssen kämpfen, scheint die Lage bei europäi- schen ELTIFs mit ähnlichem Anlagefokus ruhig – zumindest noch. K urse lügen bekanntlich nicht; und nach Meinung der Aktienkurse steht es gerade nicht zum Besten für die Anlageklasse Private Debt. Sorgen berei- tet konkret der Bereich Direct Lending – die Direktvergabe von Krediten an Unternehmen über Fonds. Jedenfalls sind die Kurse vie- ler börsennotierter Alterna- tive-Credit-Manager wie Ares Management, Apollo Capital, Blackstone oder KKR seit Jahresanfang mehr oder weniger kräftig eingebrochen. Alle diese Manager kämpfen in den USA mit Schwierigkeiten in speziellen Retailfonds. Was das für Europa bedeu- tet, ist unklar. Die Verwerfungen könn- ten bloß ein Thema der Verpackung sein – also eine Sache der US-Fondskonstruk- tion und ihrer Kunden. Dann wäre es eine rein amerikanische Angelegenheit. Wenn aber die in den Fonds enthaltenen Kredite selbst das Problem sind, könnten die Folgen auch in Europa spürbar sein – auch in entsprechenden ELTIFs. Stimmung gekippt Damit zurück zu Blue Owl, wo die Schockwellen ihren Ausgang nahmen. Der auf Alternative Credit spezialisierte Vermögensverwalter sah sich zu Jahresbe- ginn in einigen am US-Markt vertriebe- nen semiliquiden Direct-Lending-Fonds deutlich erhöhten Anteilsrückgaben von Privatanlegern gegenüber. Daraufhin ver- kaufte der Manager fast ein Drittel der Fondspositionen und schüttete die Erlöse aus. Im Anschluss setzte Blue Owl die vierteljährliche Rücknahme aus und gab bekannt, stattdessen quartalsweise situa- tionsabhängige Ausschüttungen zahlen zu wollen. Das ist als Teil des Liquiditäts- managements möglich. Mit der Einmal- ]DKOXQJ ZROOWH GDV 0DQDJHPHQW RȬHQEDU das Vertrauen der Kunden zurückgewin- nen. Doch bei denen überwog die Sorge, dass vielleicht gerade das letzte Tafelsilber veräußert wurde. Die Unsicherheit sprang auf andere US-Manager über, die eben- falls Maßnahmen ergreifen mussten, um die Liquidität ihrer Fonds zu sichern. Bei den Fonds handelt es sich um sogenannte Busi- ness Development Companies %'&V 6LH HUĆȬQHQ 3ULYDWDQ - legern in den USA Zugang zu tendenziell illiquiden Anlagen. Die Fonds selbst sind semiliquide, Anleger können Anteile innerhalb bestimmter Obergren- zen und zu bestimmten Zeitpunkten zurückgeben. In normalen Marktphasen funktioniert das – aber nicht, wenn zu viele Kunden gleichzeitig aussteigen wol- len. Und genau das war der Fall. Vorangegangen waren die spektakulä- ren Pleiten von First Brands und Tricolor im vergangenen Jahr, später kam die Angst vor der KI-Disruptionswelle im Softwaresektor dazu. Viele Fonds sind stark in diesem Segment engagiert, Blue » Semiliquide ist ein geradezu diabolischer Begriff. « Jeffrey Gundlach, Doubleline Capital Auf 1,5bis zwei BillionenUS-Dollarwirddas VolumendesPrivate-Debt-Marktes aktuell geschätzt. Ein Großteil davon entfällt auf das Direct-Lending-Segment, also die Direktvergabe von Krediten an Unternehmen durch Fonds. 230 fondsprofessionell.de 2/2026 SACHWERTE Private Debt FOTO: © TIERO | STOCK.ADOBE.COM
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