FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Vitaler als gedacht Die Lebensversicherung ist out? Ganz so übel wie oft vermutet ist es um die Branche nicht bestellt: Die Zinsen der Klassik-Tarife steigen – und die Nachfrage nach Fondspolicen lässt hoffen. D er Leitzins der EZB ist in den vergan- genen Jahren deutlich gefallen: von 4,5 auf 2,15 Prozent – auf diesem Niveau verharrt der Satz seit dem Sommer vergan- genen Jahres. Da verwundert es nahezu, dass die meisten Lebensversicherer die laufende Verzinsung ihrer Policen auch für 2026 noch einmal angehoben haben. Ein Rechenfehler? Wohl nicht, denn einer- seits steigen die Überschussbeteiligungen nun langsamer als in den Vorjahren, und andererseits hat 2025 der erstmals seit 30 Jahren erhöhte Höchstrechnungszins von 1,0 Prozent, mit dem die Versicherer im Neugeschäft kalkulieren, zum Auf- schwung beigetragen. „Zugleich verlagert sich das Geschäft zunehmend hin zu kapi- talmarktnahen Produkten mit weniger Garantien“, sagt Lars Heermann, Bereichs- leiter Analyse und Bewertung der Rating- agentur Assekurata. „Wir erleben eine nie da gewesene strukturelle Verschiebung des Lebensversicherungsmarktes“, ergänzt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Die Einschätzung beruht auf den Untersuchungen des Analysehauses, das im März zum 24. Mal seine Marktstudie „Überschussbeteiligungen und Garan- tien“ vorgestellt hat, diesmal mit Werten von 37 Gesellschaften (Marktanteil: 64 Prozent). Demnach schütten die Versi- cherer 2026 im Neugeschäft für klassi- sche private Rentenversicherungen im Schnitt laufende Zinsen von 2,62 Pro- zent aus (Vorjahr: 2,53 Prozent). Inklu- sive Schlussüberschüssen und sonstigen Gewinnanteilen liegt die in Aussicht gestellte Gesamtverzinsung eines Muster- vertrags der Klassik-Police laut Assekurata bei durchschnittlich 3,23 Prozent (Vor- jahr: 3,19 Prozent). Der renditestärkste Klassik-Anbieter – beispielhaft ausgewie- sen an der laufenden Verzinsung 2026 beim Bestandstarif mit 1,25 Prozent Rechnungszins – ist die Inter, die 3,4 Pro- ]HQW ELHWHW VLHKH *UDljN QÌFKVWH 6HLWH Die meisten Versicherer behalten die Deklaration gegenüber dem Vorjahr unverändert bei. Die Zurückhaltung ist vor allem auf weiterhin vorhandene stille Lasten in den Kapitalanlagen sowie vor- sichtige Prognosen zur Zinsentwicklung ]XUĞFN]XIĞKUHQ Ľ'LH 9HUVLFKHUHU SURlj tierten in der Kapitalanlage zwar von höheren Erträgen, agieren bei der Über- schusspolitik aber weiterhin mit Bedacht“, erklärt Heermann. Vom Standard zur Nische Unterm Strich sieht die Ratingagentur keinen Trend zur Rückkehr zum frühe- ren Erfolgsprodukt, der klassischen Ren- tenversicherung, die nur von elf Gesell- schaften überhaupt noch angeboten wird. „Die Klassik bleibt zwar ein wichtiger Teil des Bestands, entwickelt sich im Wett- bewerb mit renditeorientierteren Lösun- gen jedoch zu einem Nischenprodukt“, so Heermann. Dies liegt vor allem an der Konstruktion der Garantien. Je weniger DenRuhestandgenießen–auf dieses Ziel können sichwohl diemeisten Menschen einigen. Da ist eswichtig, rechtzeitig richtig vorzusorgen. Finanzberater können dabei eine wichtige Hilfestellung geben. » Viele Kunden legen weiterhin viel Wert auf Sicherheit. « Johannes Neder, Vema 244 fondsprofessionell.de 2/2026 FONDS & VERSICHERUNG Lebenspolicen FOTO: © SYDA PRODUCTIONS | STOCK.ADOBE.COM
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