FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

Maklers Alcatraz Vermittler stecken in einer Zwickmühle: Einerseits brauchen sie die IT-Plattform ihres Maklerpools, andererseits begeben sie sich in eine Abhängigkeit, die nicht unterschätzt werden sollte. F rüher dienten Maklerpools und -ver- bünde vor allem dazu, die Einkaufs- macht ihrer Vermittler zu bündeln und so bei den Produktgebern bessere Kon- ditionen rauszuholen. Mittlerweile bie- ten sie viel mehr: Beratungssoftware, Maklerverwaltungsprogramm (MVP), Vergleichsrechner, Reporting, Marketing- Tools – die Liste ließe sich beliebig ver- längern. Im Schnitt nutzen Makler zwei solcher Dienstleister, zeigen Umfragen wie das „Vermittlerbarometer“ des Bran- chenverbands AfW. Doch die Zahl der Finanzberater, die sich auf eine einzige Plattform verlassen, wächst. Das hat gute Gründe – und birgt doch ein Risiko. Sie begeben sich in eine Abhängigkeit, die in ihrer Konsequenz nicht allen bewusst sein dürfte. Die Redaktion hat sich in der Branche und bei Juristen umgehört. Vorteile Wer sein Geschäft über eine einzige Plattform abwickelt, erleichtert sich den Arbeitsalltag enorm: Der Dienstleister digitalisiert und automatisiert die Prozesse des Vermittlers. „Pools stellenMaklern ein MVP zur Verfügung, in dem alle Kunden- daten und die für die Zusammenarbeit wichtigen Informationen gespeichert werden können“, berichtet Christopher Kluwe, Geschäftsführer des Berliner Mak- lerpools Aruna. Entscheidend sei, dass über Schnittstellen eine Vielzahl anderer Systeme wie Vergleichsrechner für Finanz- und Versicherungsprodukte, Beratungs- und Marketingtools oder auch Telefon- systeme an das MVP angebunden werden können. „Das hat den Vorteil, dass man die Daten nur einmal eingeben muss, sie dann in allen Tools nutzen kann und dass sich die verschiedenen Systeme über eine HLQ]LJH %HQXW]HUREHUijÌFKH DQVWHXHUQ XQG bedienen lassen“, so Kluwe. Einige Pools wie Blau Direkt, Fonds Finanz oder die JDC-Gruppe erweitern ihre Systeme zum Endkunden hin und stellen ihnen Apps zur Verfügung, über die sie Verträge und Konten verwalten oder bei Fragen ihren Makler kontaktie- ren können. Ferner bieten Pools Partnern auch KI-Tools an, die ihnen noch mehr Arbeit abnehmen sollen (siehe Seite 276). Kundenbindung Diese Services sind für die Makler in aller Regel kostenlos – die Pools setzen sie zur Kundenbindung ein. „Die Mak- lerpools wollen wachsen und höhere Geschäfts- und damit Courtagevolumina generieren“, erklärt Klaus-Jürgen Baum, der mit seiner Beratungsgesellschaft KJB Consulting Analysen und Reports zum Maklermarkt verfasst. „Daher versuchen sie, einen möglichst großen Anteil des Gesamtgeschäfts der angebundenen Mak- ler auf ihre Plattform zu ziehen. Und sie Die Gefängnisinsel Alcatraz vor der Küste Kaliforniens ist Sinnbild für eine Inhaftierung ohne Fluchtchance. Fühlt sich eines Tagesmancher Ver- mittler, der auf die IT nur eines Mak- lerpools setzt, womöglich ähnlich? » Ein Pool darf Kunden- daten nicht beliebig zurückhalten oder für eigene Zwecke verwenden. « Norman Wirth, Wirth Rechtsanwälte 262 fondsprofessionell.de 2/2026 VERTRIEB & PRAXIS Maklerpools FOTO: © NAN | STOCK.ADOBE.COM

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