FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Die niedrigen Kosten eines „Staatsfonds“ könnten auch ein Antrieb für die Branche sein, sich noch wettbewerbsfähiger aufzu- stellen, oder? Sulilatu: Das würde ich absolut so sehen. Wirth: Wenn ein Staatssiegel auf einem Produkt klebt, dann erzeugt das natür- lich einen riesigen Vertrauensvorschuss. Zudem besteht die Gefahr, dass Verbrau- cher denken, der Staat werde sie schon DXȬDQJHQ ZHQQ GLH 0ÌUNWH PDO NUÌIWLJ nach unten rauschen. Bei einem privaten Angebot kommt niemand auf diese Idee, und das ist eine unfaire Situation. Sulilatu: Da stimme ich in gewisser Weise zu. Einer der großen Fortschritte, den die Reform bringt, ist der mögliche Verzicht auf Garantien. Verbraucher können frei DQ GHQ .DSLWDOPÌUNWHQ DQOHJHQ -HW]W LVW es wichtig aufzupassen, dass das Staatspro- dukt nicht aus einem falsch verstandenen Sicherheitsdenken heraus zu einer Rolle UĞFNZÌUWV IĞKUW DasAltersvorsorgedepotunddieStandard- variante sollen am 1. Januar 2027 amStart sein. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass derStaat dannschonmit imSpiel ist? Wirth: Das halte ich für sehr ambitioniert, ich kann mir nicht vorstellen, dass es dazu kommt. Wir haben noch nicht mal die Verordnung, die die Bundesregierung GD]X HUPÌFKWLJHQ VROO HLQ 6WDQGDUGGHSRW DXI]XOHJHQ 'DQQ PXVV QRFK GHU 7UÌJHU bestimmt werden. Es gibt viele weitere )UDJHQ GLH ]X NOÌUHQ VLQG 'DV ZLUG ELV ]XP -DQXDU QLFKW ]X VFKDȬHQ VHLQ 'DV ist der einzige Pluspunkt, den die Branche jetzt im Wettbewerb mit dem Staat hat: Sie hat einen zeitlichen Vorsprung. Sulilatu: Ich halte es auch für sehr ambi- tioniert. Aus Verbrauchersicht ist es aber auch nicht so entscheidend, ob der Staat MHW]W DP -DQXDU HLQ 3URGXNW DP 6WDUW hat oder nicht, sondern eher, wie sich der 0DUNW LQ =XNXQIW HQWZLFNHOQ ZLUG FürMenschen,dierelevanteSummeninves- tieren, ist dasAltersvorsorgedepot ohnehin nur ein Baustein von vielen. Wäre es daher fürdieFinanzbranchenichtdiebesteLösung, sich auf die vom Staat nicht bezuschusste privateAltersvorsorgezukonzentrieren? Wirth: Nein, die geförderte Altersvorsorge ist sozialpolitisch wichtig und gerade IĞU 0HQVFKHQ JHGDFKW GLH HEHQ QLFKW große Summen frei investieren können. :HQQ VLFK TXDOLlj]LHUWH )LQDQ]SURljV DXV der geförderten Altersvorsorge zurück- ziehen würden, dann überließe man den 0DUNW JHQDX GHQMHQLJHQ GLH %HUDWXQJ DP ZHQLJVWHQ OHLVWHQ NĆQQHQ 'DV ZÌUHQ GDQQ )LQijXHQFHU GLH RQOLQH XQWHUZHJV sind und die Leute in irgendetwas hin- einlocken, oder die Neobroker. Nein, wir haben hier einen sozialpolitischen Auftrag. Die Branche muss sowohl die geförderte Altersvorsorge seriös begleiten als auch ungeförderte Vorsorge anbieten. Sulilatu: (V ZÌUH HLQH VWUDWHJLVFK LQWHUHV - VDQWH (QWVFKHLGXQJ VLFK DP 0DUNW GHU geförderten Altersvorsorge nicht zu betei- ligen. Nein, es wird zu sehr viel Wett- bewerb unter den privaten Anbietern NRPPHQ XQG GDV LVW DXFK JXW VR 0DQ NDQQ QXU KRȬHQ GDVV VLFK PĆJOLFKVW YLHOH Gesellschaften diesemWettbewerb stellen. Denn genau das wird zu immer besseren Lösungen für die Verbraucher führen. Vielen Dank für das Gespräch. ANDREA MARTENS FP KURZ-V I TA : Norman Wirth NormanWirth ist Fachanwalt für Versicherungsrecht, Finanzwirt und zertifizierter Datenschutzbeauftragter. Er führt seine eigene Kanzlei in Berlin. Wirth ist Vor- stand des AfWBundesverbands Finanzdienstleistung und engagiert sich aktiv für die Interessen der Branche. » Das staatliche Standarddepot hätte offen, transparent und mit einer Abschätzung der Folgen in Ruhe diskutiert werden müssen. « Norman Wirth, AfW STREIT GESPRÄCH 322 fondsprofessionell.de 2/2026 SPEZIAL | ALTERSVORSORGEDEPOT Streitgespräch | Saidi Sulilatu, Finanztip | Norman Wirth, AfW € FOTO: © MARTIN PETERDAM FÜR FONDS PROFESSIONELL
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