FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026
Wenn die Beteiligung privater Anleger über Ländergrenzen hinweg zunimmt, ist Abwicklungszuverlässigkeit kein unsichtbarer Backoffice-Prozess mehr. Sie wird zu einem Bestandteil der Markt- glaubwürdigkeit. „Das Wachstum im Retail-Segment ver- ändert den Rhythmus des Marktes – es erhöht nicht nur das Volumen, sondern auch die Geschwindigkeit, und die Infra- struktur muss beides auffangen“, ergänzt Sam Riley. Europas strukturelle Heraus- forderung – und Chance Anders als in den Vereinigten Staaten bleibt das europäische ETF-Ökosystem über verschiedene Handelsplätze, Clearingmodelle und Abwicklungsinfra- trukturen fragmentiert. Diese Vielfalt unterstützt Anlegerwahl- freiheit und lokale Marktstärke, schafft jedoch zugleich Komplexität. ETF-Trans- aktionen können an einem Markt ausge- führt, an einem anderen gecleart und an einem dritten abgewickelt werden. Mit steigenden Volumina und kürzeren Settlement-Zyklen wird es immer wichti- ger, Reibungsverluste entlang dieser Prozesse zu reduzieren. Das gilt insbesondere für Deutschland, einen der wichtigsten ETF-Retail-Märkte Europas, in dem die Beteiligung privater Anleger weiter wächst. Als eine von zwei internationalen Zentral- verwahrstellen Europas (ICSDs) und als zentrale Settlement-Infrastruktur in Deutschland nimmt Clearstream eine besondere Rolle an der Schnittstelle zwischen nationalen und grenzüber- schreitenden ETF-Strömen ein. „Europas Vielfalt ist eine Stärke, benötigt jedoch eine Infrastruktur, die Märkte effizient verbindet, anstatt Fragmentierung zu verstärken“, sagt Philippe Seyll. T+1 setzt neue Maßstäbe Der Übergang zu kürzeren Settlement- Zyklen verleiht diesen Entwicklungen zusätzliche Dringlichkeit. Unter T+1 ver- kürzen sich operative Zeitfenster deutlich, während die Toleranz für Ineffizienz sinkt. Für ETFs bedeutet dies: Fehlgeschgene Transaktionen werden kostspieliger, An- forderungen an Sicherheiten steigen, und Liquidität muss präziser gesteuert werden. Liquidität ist nicht selbstverständlich – sie wird organisiert. Sie hängt von Clear- ing-Konnektivität, Mobilität von Sicher- heiten und zuverlässigen Settlement- Prozessen ab. Durch die Anbindung an TARGET2-Securi- ties (T2S) unterstützt Clearstream harmo- nisierte Abwicklung in Zentralbankgeld über teilnehmende europäische Märkte hinweg und hilft Kunden, sich in zuneh- mend integrierten grenzüberschreitenden ETF-Strömen zu bewegen. Settlement-Disziplin wird damit zu einem Wettbewerbsfaktor. Märkte, die auch unter engeren Zeitvorgaben verlässliche und planbare Abwicklung bieten, werden besser positioniert sein, Liquidität anzu- ziehen. „T+1 verändert Settlement von einer reinen Verarbeitungsfunktion zu einer strategischen Fähigkeit – die Fähigkeit, zuverlässig und pünktlich zu liefern, wird zum Differenzierungsmerkmal“, erklärt Sam Riley. Der Maschinenraum des europäischen ETF-Marktes Where innovation meets trust. www.clearstream.com Philippe Seyll CEO, Clearstream Fund Services Sam Riley CEO, Clearstream Securities Services Ausblick: Expansion trifft auf Belastbarkeit Die ETF-Nachfrage bleibt stark. Produkt- innovationen setzen sich fort, und die Be- teiligung privater Anleger wächst weiter. Doch der Fokus verschiebt sich. Die nächste Phase des europäischen ETF- Marktes wird nicht nur vom Wachstum bestimmt, sondern davon, wie effektiv dieses Wachstum unterstützt werden kann. Märkte, die Größe mit effizienter, vernetzter und resilienter Infrastruktur verbinden, werden am besten positioniert sein, die weitere Entwicklung zu tragen. Clearstream ist stolz darauf, diese nächste Wachstumsphase des europä- ischen ETF-Marktes zu unterstützen.
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