Ob als Benchmark für aktive Fondsmanager oder als Basis für passive Produkt: Die zahl von Indexablegern prominenter Börsenbarometer wie Dax, Dow Jones oder MSCI World wachsen im Einklang mit der Asset-Management-Industrie – und die Architekten der Indizes verdienen mit. Wie viel Anleger etwa bei einem ETF für den Index bezahlen, zeigt FONDS professionell in seiner Ausgabe 4/2015. Doch diese Kosten dürften deutlich sinken. Das mag für manchen Anbieter schmerzlich sein, zeugt aber von einem Reifungsprozess der gesamten Branche.

Denn das althergebrachte Monopol etablierter Anbieter wie S&P Dow Jones oder MSCI bröckelt. Mit der Entwicklung des ETF-Markts werden immer mehr Nischen abgedeckt und neue Strategien entwickelt. Im Zuge dessen akzeptieren Anleger zunehmend, dass der Basisindex eines Produkts oder die Benchmark auf eine neue, ausgefeilte Strategie nicht von einem der großen Anbieter mit bekanntem Markennamen stammen muss. Der Trend zu neuen, optimierten Indizes spült nicht nur eine Vielzahl an sogenannten Smart-Beta-Produkten auf den Markt. Der Prozess eröffnet auch bislang unbekannten Indexanbietern, die mit neuen Ideen brillieren, neue Absatzchancen.

Überholte Strukturen brechen auf
Zudem brechen auch zwischen den großen Barometerbastlern überkommene Strukturen auf. Einst galt eine Art "Gentlemen's Agreement", dass Indexanbieter sich die Kunden nicht gegenseitig abspenstig machen. Diese fast schon kartellartige Übereinkunft hatte 2012 die US-Fondsgesellschaft Vanguard gebrochen. Diese wechselte von MSCI zu FTSE und dem Center for Research in Security Prices (CRSP) der Universität Chicago. Das katapultierte das außerhalb der akademischen Welt kaum bekannte Institut sowohl in den USA als auch weltweit auf Platz fünf der größten Indexanbieter für ETFs.

Außerdem hat der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock mit seiner Passiv-Tochter "iShares" in den USA bei den Aufsehern die Lizenz beantragt, selbst Indizes entwickeln zu dürfen. Bisher hat der Riese zwar noch keine Eigenkreationen herausgebracht. Sollte es aber soweit sein, kann dies die Indexbranche kräftig durcheinander wirbeln. Der in Europa noch recht junge Anbieter "Wisdom Tree" hat bereits vorgemacht, wie Entwicklung und Vertrieb von Index und Produkt aus einer Hand funktionieren. Die Dominanz von S&P Dow Jones, MSCI und Co. geriete dann endgültig ins Wanken. Für Anleger und Produktanbieter wäre die neue Vielfalt aber ein Gewinn – sowohl durch geringere Gebühren als auch durch eine größere Auswahl. Beides sind Zeichen für das Entstehen eines wirtschaftlich gesunden, reifen Marktes.


Den vollständigen Artikel über das Geschäft der Indexanbieter lesen Sie im aktuellen Heft 4/2015 von FONDS professionell und im E-Magazin.