Sechseinhalb Jahre nach dem dramatischen Sekunden-Absturz des US-Börsenbarometers Dow Jones hat ein britischer Börsenhändler die Verantwortung für die Geschehnisse übernommen. Navinder Singh Sarao bekannte sich vor einem Gericht in Illinois für schuldig, mit einem Computerprogramm im Londoner Vorort Hounslow, aus dem Haus seiner Eltern heraus, Börsengeschäfte manipuliert zu haben. Der 37-Jährige war im April vergangenen Jahres in London festgenommen und am Montag an die USA ausgeliefert worden.

Die Höchststrafe für Saraos Vergehen liegt bei 30 Jahren Haft, berichtet Bloomberg. Laut Richterin Virginia Kendall muss der Brite aber wohl "nur" 78 bis 97 Monate absitzen. Er hat sich mit der US-Justiz darauf geeinigt, eine Strafe von rund 13 Millionen US-Dollar zu zahlen.

Schnelles Geld, schneller Absturz
Sarao soll mit Manipulationen innerhalb von fünf Jahren rund 40 Millionen Dollar ergaunert haben. Mit einem Computerprogramm konnte er sehr schnell Kauf- und Verkaufsaufträge für bestimmte Wertpapiere erteilen und widerrufen und so die Kurse in die gewünschte Richtung lenken. Sarao soll mit dieser Vorgehensweise dazu beigetragen haben, dass der Dow Jones am 6. Mai 2010 binnen weniger Minuten satte 600 Punkte beziehungsweise rund zehn Prozent verlor. Zunächst waren vollautomatische Handelsprogramme in Verdachtgeraten, den Blitzabsturz versehentlich ausgelöst zu haben. Im Frühjahr 2015, fünf Jahre nach dem aufsehenerregenden "Flashcrash", ging Sarao den Ermittlern schließlich ins Netz. Durch seine Manipulationen wurden rein buchhalterisch hunderte Millionen Dollar Börsenwert schlagartig vernichtet.(fp)