In einem der größten Anlegerschutzprozesse in Deutschland können mehr als 17.000 klagende Inhaber von Aktien der Deutschen Telekom auf Schadensersatz in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Euro hoffen. Das meldet die Tübinger Kanzlei Tilp Rechtsanwaltsgesellschaft mbH die heute nach eigenen Angaben vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt eine Entscheidung zugunsten ihrer Mandanten gegen die Telekom erzielt hat (Az. 23 Kap 1/06).

Konkret geht es in dem seit 2005 laufenden Rechtsstreit um eine Vielzahl an Fehlern im Verkaufs- beziehungsweise Börsenprospekt der Telekom anlässlich ihres dritten Börsengangs im Jahre 2000. Der Bundesgerichtshof (BGH)  hatte 2014 die Frage nach Fehlern klar bejaht. Ob die Telekom aber Schadensersatz zahlen muss, sollte dann wieder das OLG Frankfurt entscheiden (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Telekom steht Rechtsbeschwerde offen
Das OLG hat der Pressemitteilung von Tilp zufolge das Verschulden der Telekom für die wesentliche Unrichtigkeit des Börsenprospektes für den dritten Börsengang festgestellt. Der Telekom stehe nun aber noch die Rechtsbeschwerde zum BGH offen. Über diese dürfte innerhalb von eineinhalb Jahren entschieden werden. Nach rechtskräftiger Entscheidung des Musterverfahrens wird dann das Landgericht (LG) Frankfurt in jedem einzelnen Fall der mehr als 17.000 Kläger ein Endurteil auf Basis der bindenden Vorgaben des endgültigen Musterentscheides treffen müssen.

"Für über 17.000 Telekom-Kläger sind Schadensersatzzahlungen nunmehr in konkreter Reichweite" erläutert Peter Gundermann, der zusammen mit Rechtsanwalt Andreas Tilp und Rechtsanwältin Petra Dietenmaier das Prozessteam im Fall Telekom bildet. "Zusammen mit den gesetzlichen Verzugszinsen belaufen sich diese aktuell auf rund 200 Millionen Euro", so Gundermann weiter.

Prozess von historischer Dimension
Zur Erinnerung: Der Telekom-Prozess hatte im Jahr 2005 zur Einführung des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes (KapMuG) geführt, einer Art "deutscher Sammelklage light" für kapitalmarktrechtliche Prozesse, die aber auf keinen Fall so genannt werden durfte. "Die rechtshistorische Bedeutung des Telekom-Prozesses liegt in der Einführung des KapMuG. So sehr dieses im Detail auch trotz seiner Reform im Jahr 2012 weiterhin zu kritisieren ist – ohne das KapMuG hätten die Kläger ihre Prozesse schon längst verloren gehabt. Denn erst der gemeinsame Kampf im Musterverfahren hat zum Sieg der Anleger geführt", resümiert Rechtsanwalt Andreas Tilp. Die Telekom kündigte bereits an, Rechtsmittel zu prüfen. (jb)