Das vergangene Jahr war für die deutschen Versicherungsgesellschaften kein gutes – Sturmtief "Bernd" und die Überschwemmungskatastrophe an der Ahr sowie in anderen Teilen des Landes haben eine Flut an Versicherungsfällen ausgelöst. In der Schaden- und Unfallversicherung schrieben die Unternehmen daher rote Zahlen. Die Lebensversicherer sind dagegen mit einem blauen Auge davongekommen, überraschenderweise auch wegen des Geschäfts mit der politisch längst ins Abseits geratenen Riester-Rente. Das teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag (27.1.) bei  Vorstellung der Branchenzahlen 2021 mitteilt. 

Das Riester-Neugeschäft entwickelte sich erstaunlich gut, obwohl die Produkte wegen der niedrigen Zinsen in Verbindung mit den staatlichen Vorgaben einer vollständigen Garantie nur maue Renditen erwirtschaften: Immerhin 310.500 neue Verträge (+12%) konnte die Assekuranz abschließen. Der Gesamtbestand an Verträgen sank allerdings wegen Kündigungen, wenngleich der Abrieb nicht dazu führte, dass die Zahl der Verträge signifikant sank. Der GDV meldet immer noch rund 10,4 Millionen Riester-Renten. Die Zahl der neu vermittelten Basis- oder Rürup-Renten stieg dagegen um fast 40 Prozent auf knapp 119.000 Verträge. Der Gesamtbestand erhöhte sich dadurch um vier Prozent auf 2,5 Millionen Verträge.

GDV trommelt für geförderte private Altersvorsorge
"Unsere Schlussfolgerung: Viele haben sich angesichts der laufenden politischen Debatte um Reformen der privaten Altersvorsorge noch einen Vertrag gesichert", kommentiert GDV-Präsident Wolfgang Weiler diese Entwicklung, und schickt eine Forderung hinterher: "Die Bundesregierung sollte die Voraussetzung dafür schaffen, dass es auch künftig noch eine geförderte private Altersvorsorge gibt. Darauf sind viele Menschen angewiesen, die von einer rein steuerlichen Förderung nicht so stark profitieren können."

Der Verband stellte auch zusammengefasste Zahlen vor: Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds beliefen sich 2021 auf rund 102 Milliarden Euro, das einem Minus von 1,4 Prozent im Vergleich zu 2020 entspricht. Der Verband führt diese Entwicklung auf ein Minus von 4,7 Prozent auf 36,5 Milliarden Euro beim Einmalbeitragsgeschäft zurück. Diese hatte 2020 allerdings ein Rekordniveau erreicht. Die laufenden Beitragseinnahmen legten hingegen leicht auf 65,3 Milliarden Euro zu. Aber: Die auf ein Jahr berechneten Beitragseinnahmen nach APE (Annual Premium Equivalent), der Summe aus laufender Prämien plus zehn Prozent der Einmalprämien, Neugeschäft der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds legten um 2,6 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro zu. (jb)