Anleger sollten sich überlegen, wie sie ihr Portfolio für eine Rezession positionieren. Der Inflationsdruck durch die Energiepreise und die Aussicht auf Zinssteigerungen bei gleichzeitigen Materiallieferengpässen verheißen für die Konjunktur nichts Gutes (siehe Grafik unten, wonach rasche Energiepreisanstiege stets in eine Rezession führten). In diesem Umfeld könne der breite Aktienmarkt nur schwer gewinnen, sagt Andrew Harvie, Client Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Columbia Threadneedle. Es sei wesentlich, jene Aktien herauszufiltern, deren Geschäft unabhängig von Zinsentscheidungen wächst.

Mit der alten Diskussion Value (wertorientiertes Anlegen) versus Growth (wachstumsorientiert) komme man in der aktuellen Gemengelage nicht weiter. Der Aufschwung, den Value-Aktien nach jahrelanger Unterperformance haben, sei wohl eher von begrenzter Dauer. "Wenn die Weltwirtschaft nicht wächst, hat Value keinen ausreichenden Katalysator für ein dauerhaftes Comeback. Die durchschnittliche Firma wird sich in so einem Umfeld schwer tun zu wachsen", so Harvie.

 

Aber auch das Bild bei Growth-Titeln hat sich seit Jahresbeginn komplett geändert. Die disruptiven Tech-Businessmodelle, die Marktanteilszuwächse aber oft keine Gewinne vorweisen können, haben den Anlegern jahrelang hohe Kurssteigerungen beschert und werden nun abgestraft. "In einer Umgebung steigender Zinsen wollen Investoren wieder echte Gewinne sehen oder zumindest, dass sich die Profitabilität abzeichnet. Marktanteilszugewinne allein rücken da eher in den Hintergrund", so Harvie.

Qualität des Geschäfts entscheidend
Wachstum ja, aber eben Quality Growth, laute die Devise. Und da möglichst Wachstum, das relativ unabhängig von Konjunkturerschütterungen ist. Welche Titel damit konkret gemeint sind, kann man im Threadneedle Global Focus sehen, der sich auf eine solche Quality-Growth-Strategie konzentriert.

Da findet man zum Beispiel im Pharmabereich bekannte Namen wie Eli Lilly. "Das Unternehmen bietet Lösungen für Probleme wie Diabetes oder Übergewicht. Die Nachfrage nach solchen Produkten hängt nicht vom Wirtschaftswachstum ab", erläutert Harvie. Zu den langfristig zuverlässigen Gewinnbringern zählen auch etablierte Techfirmen wie Microsoft und Adobe oder der Halbleiterhersteller Lam Research. "Gerade Halbleiter sind in einer digitalisierten Welt immer weniger ein Konsumthema, das von Smartphonekäufen abhängt. Hier sorgen die weltweiten Digitalisierungsbemühungen von Regierungen zunehmend für Stabilität", so Harvie. Auch Versicherungsriesen wie Tryg (skandinavisch) und AIA (panasiatisch) hätten im Fonds stets zum Wachstum beigetragen.

Es gehe darum, Firmen zu finden mit Preissetzungsmacht, Cashflows und wenig Schulden, deren Geschäft einzigartig sei beziehungsweise schwer zu kopieren. Viele dieser Titel sind angesichts des Bewertungs-Resets an den Börsen zu Jahresbeginn mit in den Sog geraten. Die langfristige Stärke der Geschäftsmodelle sei aber unbestritten, meint Harvie. (eml)