Auf lange Sicht könnte das US-Zinsniveau trotz sinkender Produktivität in den Vereinigten Staaten wieder auf dasselbe Niveau wie zu Beginn der 2000er Jahre klettern, sagt Adrian Hilton, Leiter für globale Zinsen und Währungsanlagen bei Columbia Threadneedle. Doch damit sich die US-Zinsen normalisieren, müssen sich mehrere makroökonomische Faktoren maßgeblich verändern. So spielt unter anderem die Globalisierung eine Rolle für die Zinsentwicklung in den Vereinigten Staaten.

Seit den 1980er Jahren hat die Globalisierung zu einem desinflationären Umfeld beigetragen. Kehren sich Globalisierungseffekte um, könnte das zu einem Anstieg der US-Zinsen beitragen. Der Welthandel steht derzeit durch aufstrebende populistische Parteien mit nationalistischen oder anti-globalen Einstellungen unter Druck, warnt Hilton. Durch eine teilweise Deglobalisierung würde der weltweite Arbeitsmarkt kleiner, die Integration von Billigproduzenten in die Weltwirtschaft ginge zurück. "Damit könnte das Verhältnis aus Wachstum und Inflation ungünstiger ausfallen", sagt der Zinsexperte. 

Produktivität im Blick behalten
Auch die Produktivität spielt für das US-Zinsniveau eine wichtige Rolle. Zieht diese wieder an, könnte der natürliche Zins angehoben und die künftige geldpolitische Richtung nach oben angepasst werden, erklärt der Experte. Daneben hält er es für möglich, dass die Laufzeitprämie steigt – das wäre der dritte und letzte wichtige Grund für einen Zinsanstieg. 

Die Laufzeitprämie entschädigt Anleger für längerfristige Engagements am Anleihenmarkt und könnte infolge höherer Inflationsrisiken steigen. Hiltons Resümee: Die aktuelle Einschätzung des makroökonomischen Umfelds zeigt, dass ein Zinsanstieg möglich ist. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich aktuelle strukturelle Trends umkehren. (fp)