Das weltweite Konjunkturwachstum verlangsamt sich etwas. Vor allem die großen Volkswirtschaften USA und China fallen als Impulsgeber aus. Zu diesem Ergebnis kamen der Wirtschaftsweise Lars Feld sowie die leitende Marktstrategin für Europa bei J.P. Morgan Asset Management, Karen Ward, auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim. "Die US-Wirtschaft lief zuletzt im Zuckerrausch der Fiskalpolitik", sagte Ward. "Doch der Zuckerrausch ist nun abgeklungen." Die Regierung unter Präsident Donald Trump hatte unter anderem mit Steuererleichterungen die Konjunktur des Landes weiter angetrieben.

Amerikanische Firmenlenker würden nun jedoch den von Trump heraufbeschworenen Handelskonflikt mit China zunehmend sorgenvoll betrachten. Dementsprechend trübe sich die Stimmung ein. Die Entwicklung der europäischen Volkswirtschaften wiederum hänge stark von der Lage in China ab – die sich ebenfalls eintrübt, erläuterte Ward, die zuvor als Beraterin des britischen Schatzkanzlers arbeitete.

Sondereffekte nur eine Illusion
Auch für Deutschland sind die Aussichten nicht viel besser, meinte Ökonom Feld, der das Walter Eucken Institut an der Universität Freiburg leitet. Zeitweilig sei noch die Hoffnung aufgekeimt, dass die Eintrübung wichtiger Konjunktursignale auf Sondereffekte wie den staubtrockenen Sommer zurückzuführen sei, weswegen beispielsweise der Rhein nicht für Güterschiffe befahrbar war. "Dies hat sich jedoch nicht bewahrheitet", meinte der Professor. Die Nachfrage, insbesondere aus China, sei abgeklungen.

Positiv entwickle sich aber die Binnenkonjunktur. "Die Beschäftigung brummt", so Feld. Die Löhne steigen und treiben den Konsum an. "Aber die Dynamik für Deutschland kommt aus dem Export", schränkte der Wirtschaftsweise ein. Auch wenn akut keine Flaute drohe, "es muss nicht viel passieren, um uns in eine Rezession zu stürzen", warnte Feld.

Positiv gestimmt ist der Professor für Wirtschaftspolitik für den deutschen Arbeitsmarkt. "Die demographische Entwicklung greift nun", berichtet Feld. Ältere Arbeitnehmer gehen in den Ruhestand, nur wenige jüngere rücken nach. Die Firmen hielten auch in einer Flaute an den Arbeitnehmern fest. "Denn sie müssen fürchten, dass sie im nächsten Aufschwung keine neuen Mitarbeiter mehr finden werden", argumentierte der Wirtschaftsweise.

Geduld ist die Devise
Vor diesem Hintergrund werden die Notenbanken, und insbesondere die US-Zentralbank Fed, eine abwartende Haltung einnehmen. "Geduld ist die neue Devise der Fed", sagte Ward. Notenbank-Chef Jerome Powell stehe vor einer schwierigen Aufgabe. Einerseits müsse er die Wirtschaft stützen, andererseits aber keine weiteren Vermögenspreisblasen befeuern. Gestern deutete Powell dann an, dass für weitere Zinserhöhungen zurzeit kein Anlasse bestehe – was die Aktienkurse beflügelte.

Für die Europäische Zentralbank wiederum sah Feld nicht viel Spielraum, zu einer normalen Zinspolitik zurückzukehren. Vielmehr geht er von einer Verschiebung des Fahrplans aus. "Der erste Zinsschritt wird später kommen als erwartet – und nicht mehr in der Amtszeit von Mario Draghi", sagte Feld. Die politischen Wirren in Europa würden die Agenda weiterhin beherrschen. So rechnet Feld bei den Wahlen zum Europa-Parlament Ende Mai mit einem weiteren Erstarken von links- und rechtspopulistischen Parteien. Damit werde eine Mehrheitsfindung schwierig – und die Unsicherheit steige. (ert)