Die Deutsche Bank rechnet mit einer Inflationsrate von sieben bis acht Prozent im Laufe des Jahres. Kommt es jedoch zu einem Importstopp für Energieträger aus Russland, könne die Teuerung die Marke von zehn Prozent überspringen, sagte Karl von Rohr, stellvertretender Vorstandschef der Deutschen Bank, in einem Interview mit "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). Baldige Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) seien daher "dringend erforderlich", so von Rohr, der zugleich Aufsichtsratschef der Fondstochter DWS ist.

"Mein Eindruck ist aber, dass die EZB jetzt auch sieht, dass Zinsanhebungen unvermeidlich sind", ergänzte der für das operative Geschäft der Frankfurter zuständige Bankvorstand. Für den Fall der Zinswende stellt von Rohr auch die Abschaffung der Strafzinsen für Guthaben der Privatkunden in Aussicht. "Sobald die Notenbank auf Negativzinsen verzichtet, wird es auch für uns keinen Grund mehr geben, im Privatkundengeschäft Verwahrentgelte zu erheben", sagte der Manager. "Das sollte dann ziemlich schnell gehen."

"Normale Marktmechanismus kann wieder Wirkung entfalten"
Bis jedoch die Menschen wieder nennenswerte Zinsen auf ihre Guthaben erhalten, könne jedoch noch einige Zeit verstreichen, schränkt von Rohr ein. "Sobald die Zinsen in den positiven Bereich steigen, kann der normale Marktmechanismus wieder Wirkung entfalten", führt der Deutsche-Bank-Vorstand aus. "Unser Einlagenmanagement wird den Markt analysieren, und dann werden wir sehen, in welchem Umfang wir unsere Zinsangebote im Sparbereich anpassen können."

Von Rohr verteidigt zudem DWS-Chef Asoka Wöhrmann. Der Manager war angesichts der "Greenwashing"-Vorwürfe gegen sein Haus, die es vehement bestreitet, sowie möglicher Verquickungen von privaten und beruflichen Belangen in die Kritik geraten. "Die DWS hat sich 2021 sehr gut entwickelt, sowohl mit Blick auf das Ergebnis als auch bei den Nettomittelzuflüssen", betonte von Rohr im "FAS"-Interview. "Insofern sind wir sehr zufrieden mit DWS-Chef Asoka Wöhrmann und seinem Team."

Vorwürfe nicht bewahrheitet
Bisher hätten sich die erhobenen Vorwürfe nicht bewahrheitet. "Dass uns die intensive Medienberichterstattung über die Vorwürfe nicht hilft, ist klar. Erfreulicherweise ist es etwas ruhiger geworden", so der DWS-Chefkontrolleur. Er betonte aber: "Natürlich schauen wir es uns an, wenn und insofern es Hinweise auf Fehlverhalten gibt." (ert)