Edelmetall-Experte sieht fundamentale Neubewertung von Gold
Die Rolle von Gold hat sich grundlegend verändert, was höhere Preise als in den vergangenen 15 Jahren rechtfertigt, sagt Edelmetall-Experte Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. Kurzfristig hält er aber Rücksetzer für möglich. Silber biete möglicherweise noch größere Chancen.
"Langfristig sehe ich ein neues Band für den Goldpreis zwischen 3.000 und 5.500 US-Dollar, das das historische Kursband der vergangenen 15 Jahre zwischen 1.000 und 2.500 Dollar dauerhaft ablöst", sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Gründer und Chef der auf Edelmetallmärkte spezialisierten Beratungsfirma Fragold. Es sei in den letzten Jahren zu einer "fundamentalen Neubewertung" der Rolle von Gold als Anlagemedium gekommen.
Als wesentlichen Grund dafür nennt er, dass Zentralbanken Gold als wesentlichen Bestandteil ihrer Reserven "wiederentdeckt" hätten. Es gebe einen Trend weg von der absoluten Dominanz des US-Dollar als Leitwährungsreserve. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wollten die Zentralbanken außerhalb der westlichen Staatengemeinschaft ihre Reserven weiter diversifizieren. Da andere Währungen als Reservewährungen ungeeignet seien, stockten sie ihre Goldreserven auf.
Seit 2024 sei der Goldpreis jedoch "zu schnell" gestiegen, deshalb sei in den kommenden Wochen und Monaten eine Konsolidierung des Goldpreises zu erwarten und ein Rückgang um zehn oder 20 Prozent nicht auszuschließen. Der langfristige positive Trend sei jedoch intakt, und ein "Einstieg würde sich lohnen".
Langfristig womöglich noch größere Chancen mit Silber
Auch der schnelle Anstieg des Silberpreises "ruft nach einer Atempause", so Wrzesniok-Roßbach. Sollte Gold in eine Konsolidierungsphase eintreten, werde Silber zwischen 35 und 55 Dollar je Unze konsolidieren. Längerfristig helfe dem Silber aber die starke industrielle Nachfrage, vor allem aus der Photovoltaikindustrie. Schon seit Jahren herrsche ein strukturelles Angebotsdefizit bei Silber, und es sei "leicht vorstellbar, dass die Kurschancen hier – relativ betrachtet – sogar langfristig höher sind als bei Gold".
Family Offices, Vermögensverwalter und Pensionsfonds, die mit einer Goldallokation einen Sicherheitsanker im Anlageportfolio schaffen wollen, sieht Wrzesniok-Roßbach in dem Edelmetall unterinvestiert. Entsprechende Portfolios hätten eine durchschnittliche Goldquote von nur etwa zwei Prozent, während häufig fünf bis zehn Prozent empfohlen werden. (dv)














