An den Kapitalmärkten zeigt sich in diesen Tagen ein paradoxes Bild: Die neuen Höchststände bei Aktien und die Rückgänge der Credit Spreads wollen so gar nicht zur schwächelnden Weltwirtschaft passen. Frank Borchers, Anlageexperte bei Ethenea, erklärt sich den Höhenflug vor allem mit der geldpolitischen Kehrtwende der Notenbanken. Die lockere Geldpolitik habe ein Umfeld geschaffen, dass sich derzeit besonders positiv auf Risikoanlagen auswirkt. "Es zeigt die Bereitschaft der Zentralbanken, alles zu tun, damit die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt", sagt er.

Beispiel Europäische Zentralbank (EZB): Sie hat erneut damit begonnen, den Markt mit Liquidität zu fluten. So kauft sie beispielsweise seit Anfang November für 20 Milliarden Euro pro Monat Staats- und Unternehmensanleihen aus dem Euroraum – und zwar bis auf Weiteres unbefristet. Zudem hält sie den Leitzins seit geraumer Zeit fest bei null Prozent. Die Währungshüter sind damit klar auf der Seite der Aktionäre – und es sieht nicht so aus, als würde sich das bald ändern. "Daher setzen wir mittelfristig weiter auf die positive Entwicklung von Risikoassets", sagt der Fondsmanager.

Frühindikatoren machen Hoffnung
Die aktuelle Wachstumsschwäche ist laut Bochers vor allem auf die verarbeitende Industrie zurückzuführen. Diese leidet besonders unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Strafzölle sorgen für Auftragsschwung, als Folge sind die Produktionskapazitäten nicht ausgelastet.

Zwar deuten Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) darauf hin, dass der Negativtrend in vielen Volkswirtschaften vorerst gestoppt werden konnte. Borchers mahnt jedoch vor voreiliger Euphorie: "Die Stabilisierung der Frühindikatoren für das verarbeitende Gewerbe könnte zwar ein erstes Anzeichen dafür sein, dass die Talsohle durchschritten ist. Dennoch sollte man die PMIs genau beobachten, um zu sehen, ob sich eine nachhaltige Erholung einstellt." (fp)