Seit der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 haben Staaten und Unternehmen immer höhere Schulden angehäuft. Die werden nicht so bald wieder verschwinden, sagte Ethenea-Starmanager Luca Pesarini am Mittwoch (29. Januar) auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim. Er stellte vier Wege aus der Schuldenfalle vor, nicht alle gleichermaßen wahrscheinlich oder wünschenswert: "Lower for longer", einen neuen "Credit Crunch", eine Rückkehr zur Normalität sowie einen "Schuldenschnitt auf Babylonisch".

Einem Credit Crunch wie nach der letzten Finanzkrise räumt Pesarini eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent ein. Er betonte, dass es dieses Szenario um jeden Preis zu vermeiden gilt: "Das würde unschön werden." Angenehmer für Investoren wäre eine Rückkehr zur Normalität, indem die Wirtschaft wächst, die Steuereinnahmen steigen, die Verschuldung sinkt und die Notenbanken letztlich die Zinsen gefahrlos wieder anheben können. "Das ist allerdings ein äußerst unwahrscheinliches Szenario", erklärte der Fondsmanager.

Anleger müssen weiter mit Mini-Zinsen leben
Nicht ganz ernst gemeint ist der "Schuldenschnitt auf Babylonisch". Angeblich wurden in Babylon bei jedem Herrscherwechsel allen Bürgern sämtliche Schulden erlassen. Als probatestes Mittel, die Schuldenberge abzutragen, nannte Pesarini vielmehr die Notenbankpolitik des "Lower for longer". Dabei bleiben die Zinsen tief, während die Inflation allmählich in Schwung kommt. Nach Schätzungen des Ethenea-Managers würde der Schuldenberg in der Eurozone damit jährlich um rund drei Prozent schrumpfen. "Am Ende des Tages würde das zu einer Entschuldung der Staaten führen, aber auch dazu, dass Sparer Geld verlieren", so Pesarini.

Die Frage sei, wie man als Investor mit den anhaltenden Niedrigzinsen umgehe, sagte Pesarini. "Lower for longer lautet die Parole, damit müssen wir uns auseinandersetzen." Beim Ethenea-Flaggschiff Ethna-Aktiv sieht das so aus, dass die Rentenquote seit vergangenem Jahr von 80 auf 70 Prozent gesunken ist. "Wir wollen runter auf 60 Prozent. Da ist nicht mehr viel zu holen", erklärte Pesarini. Vereinzelt sieht er noch Chancen im Hochzinssegment. Auch die Aktienquote im Fonds ist zuletzt gesunken: von 50 auf 30 Prozent. Zugleich setzt Pesarini aber wieder teilweise auf Einzelwerte, statt ausschließlich über Futures und Optionen in den Aktienmarkt zu investieren.

Schnarchen an den Märkten
Insgesamt erwartet der Starmanager nach eigener Aussage ein langweiliges Jahr 2020. In den USA rechnet er mit zirka zwei Prozent Wachstum, in der Eurozone mit einem Prozent. US-Präsident Donald Trump wird voraussichtlich wiedergewählt, prognostizierte Pesarini. Die Aktienkurse dürften eher seitwärts tendieren: "Die Aktienmärkte haben bereits einiges vorweggenommen." Der Goldpreis könnte laut seiner Einschätzung auf 1.700 US-Dollar je Feinunze steigen. (fp)