Fidelity-Stratege: Zeitenwende an der Börse
Auch an den Finanzmärkten machen sich die tektonischen Verschiebungen der internationalen Ordnung bemerkbar, sagt Fidelity-Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld. Er sieht Potenzial für Asien und Europa.
Die Zeitenwende zeichnet sich auch an den Aktienmärkten ab, wenn auch erst auf den zweiten Blick, sagt Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International. Beim FONDS professionell KONGRESS in Mannheim zeigte er die Bruchlinien auf und erklärte, wie sich Anleger seiner Meinung nach positionieren sollten.
US-Aktien im unteren Mittelfeld
Im Jahr 2025 brachten die internationalen Aktienindizes über alle Länder hinweg zwar durchschnittlich ein Rekordplus von 40 Prozent. Doch während die erfolgreichsten Aktienmärkte wie der südkoreanische rund 100 Prozent zulegten, blieb der US-Markt auf Dollar-Basis mit 20 Prozent trotz neuer Rekordstände eher im unteren Mittelfeld. Nochmal anders sieht das aus der Euro-Perspektive aus. "Euro-Anleger verdienten wegen des schwachen Dollar nur rund sechs Prozent mit US-Aktien", so Roemheld.
Der Kapitalmarktstratege ist grundsätzlich weiter optimistisch für Aktien, und das auch aus Liquiditätsaspekten: "Es ist immer noch enorm viel Geld da, das die Kapitalmärkte stützt." Außerdem würden die Anleger die geopolitischen Sorgen etwas in die Zukunft verdrängen. Klar ist für Roemheld allerdings, dass sich die Rolle der USA wandelt: Das zeige sich bei den zunehmenden Markteingriffen wie etwa dem Rückkaufverbot von Aktien im Rüstungssektor. Der politische Interventionismus auch an den Märkten nehme zu. Die relative Outperformance der US-Aktienmärkte wird sich seiner Meinung nach auch aus diesem Grund nicht so fortsetzen. Dazu kommen die relativ betrachtet deutlich höheren Bewertungen am US-Markt.
Asien noch deutlich unterrepräsentiert
Roemheld rechnet damit, dass in Zukunft deutlich mehr Kapital nach Europa und Asien fließen wird und die Aktienmärkte dort profitieren werden. Gleichwohl bleiben KI und Verteidigung die großen Megathemen und in ihrem Windschatten auch Rohstoffe und Infrastruktur. Allerdings seien auch hier Firmen aus Asien, aber auch Europa, oft die günstigere Alternative. "Asien steht heute für neun Prozent der globalen Marktkapitalisierung", so Roemheld. "Das dürfte sich ändern." (jh)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











