Die globale Finanzkrise 2008/2009 hat fast überall zu einem kräftigen Anstieg der Staatsschulden geführt. Der Schuldenberg in den meisten Ländern ist trotz guter Konjunktur in den letzten Jahren nach wie vor hoch. "Eine neue Schuldenkrise ist dennoch nach unserer Einschätzung vorerst nicht zu erwarten – wenn die Welt noch ein bis zwei gute Konjunkturjahre erlebt", sagt Jörn Quitzau, Volkswirt bei Berenberg in der aktuellen Studie "Staatsverschuldung" der Privatbank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). "Das größte Einzelrisiko besteht in einem kräftigeren Konjunkturabschwung beziehungsweise Wachstumseinbruch."

Vor zehn Jahren erreichte die globale Wirtschafts- und Finanzkrise ihren Höhepunkt. Mit den Konjunkturprogrammen und den direkten Hilfen für angeschlagene Finanzinstitute haben die Regierungen schwere finanzielle Lasten auf sich genommen. Teile der zuvor privaten Schulden wurden in öffentliche umgewandelt. "In der Eurozone hat die Staatsschuldenquote im Zeitraum 2008 bis 2018 um 14,5 Prozentpunkte auf knapp 85 Prozent des BIP zugelegt", rechnet Quitzau vor. Im gleichen Zeitraum ist die Schuldenquote der großen Industrienationen (G7) um 27 Prozentpunkte auf rund 117 Prozent gestiegen. Einen großen Anteil an diesem kräftigen Anstieg hatten die USA, deren Schuldenstand im entsprechenden Zeitraum um 31 Prozentpunkte auf über 100 Prozent des BIP nach oben geschossen ist. "Japan ist Schuldenspitzenreiter unter den Industrieländern. Die Staatsschulden beliefen sich 2017 auf über 230 Prozent", sagt Quitzau.
 
Aufgrund der guten Weltkonjunktur ist das Schuldenthema in den vergangenen Jahren etwas aus dem Fokus geraten. Gelöst ist die Problematik damit aber nicht. Unterschiedliche Risikofaktoren, insbesondere deren Zusammenspiel, könnten grundsätzlich zu einer neuen Schuldenkrise führen – klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke oben. (mb)