Healthcare-Fondsmanagerin: KI rettet kein schlechtes Geschäftsmodell
Zuletzt hinkten die Aktien aus dem Gesundheitssektor dem breiten Markt deutlich hinterher. Jetzt sorgt künstliche Intelligenz in der Branche für Aufbruchstimmung. Doch auch wenn KI große Chancen biete: Nicht jede Innovation schaffe nachhaltigen Wert, betont Jane Bleeg von Alliance Bernstein.
Künstliche Intelligenz gilt Anlegern zwar zu Recht als Wachstumstreiber im Gesundheitswesen, sollte aber nicht den Blick auf wesentliche andere Aspekte der Unternehmensanalyse verschleiern. Zu diesem Fazit kommt Jane Bleeg, Portfoliomanagerin im Global-Healthcare-Team von Alliance Bernstein, in einer aktuellen Markteinschätzung.
Zunächst hebt die Branchenkennerin hervor, dass der KI-Einsatz durchaus das Gewinnwachstum und damit auch das Ertragspotenzial von Aktien bestimmter Unternehmen beflügeln könne. "Technologischer Fortschritt war schon immer ein Treiber für Veränderungen in der Gesundheitsbranche, die stark von Datenmanagement und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen abhängt", betont sie.
"Entscheidender Differenzierungsfaktor"
KI markiere nun die nächste Entwicklungsstufe: "Schnellere Zulassungsverfahren für Medikamente, verbesserte Patientenerfahrungen, Roboterchirurgie und sogar Pflaster, die Krebs erkennen können", nennt Bleeg einige Beispiele. "Das Thema taucht bei Gesundheitsunternehmen immer häufiger auf, auch wenn bislang nur ein relativ kleiner Teil der Branche aktiv an konkreten Anwendungen arbeitet."
Der Fondsmanagerin zufolge sieht Alliance Bernstein in KI einen "entscheidenden Differenzierungsfaktor, der in den kommenden Jahren zu größerem geschäftlichen Erfolg, stärkerem Wachstum und höheren Aktienerträgen" führen könne.
"Den Fokus auf den tatsächlichen Nutzen legen"
Bleeg betont allerdings auch, dass die neuen technologischen Möglichkeiten kein schlechtes Geschäftsmodell retten könnten. "Auch wenn KI viele Bereiche des Gesundheitswesens verbessern wird, sollten Anleger ihren Fokus auf den tatsächlichen Nutzen legen, den sie für das einzelne Unternehmen bringt", rät sie. Es sei klug, Geld in vielversprechende Innovationen zu investieren. "Aber davon auszugehen, dass eine einzelne Technologie ein Unternehmen mit größeren Problemen transformieren kann, ist unrealistisch."
Die zentrale Frage bei Investitionsentscheidungen sollte sein, was KI zum Geschäft eines Unternehmens beitragen kann, etwa in Bezug auf Cashflow, Profitabilität und Wettbewerbsposition, erläutert die Portfoliomanagerin. "Ein solides Geschäftsmodell kann auch dann erfolgreich sein, wenn ein KI-Projekt scheitert. Und bei wirklich hochkarätigen Geschäftsmodellen im Gesundheitswesen kann die Anwendung von künstlicher Intelligenz deren Stärken weiter ausbauen."
"Manchmal braucht es Zeit, bis sich selbst die besten Ideen durchsetzen"
Diese Logik habe schon für frühere bahnbrechende Entwicklungen gegolten – von der Einführung des Internets bis hin zur Arzneimittel- und Impfstoffforschung. Bleeg: "Selbst die erfolgreichsten disruptiven Technologien beruhen auf zahlreichen Fehlschlägen, und manchmal braucht es Zeit, bis sich selbst die besten Ideen durchsetzen." (fp)




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