Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandschef des Vermögensverwalters DJE Kapital, schaute in seinem Vortrag "Markteinschätzung 2026" auf dem FONDS professionell KONGRESS vor allem auf die USA. Für breite Unternehmensgewinne dort und somit eine gute Börsenentwicklung sprechen die fiskalischen Anreize wie vermehrte Abschreibungsmöglichkeiten der Unternehmen und weitere steuerliche Erleichterungen – Stichwort "One Big Beautiful Bill" –, die die Konjunktur in Gang bringen. "Die Geldmenge in den USA geht auch hoch, was immer gut für die Börsen ist. Das monetäre Umfeld in den USA stimmt also", so Ehrhardt, der weiter betont, dass in den USA die Gewinnschätzungen gerade auch für die breite Masse der kleineren und mittleren Werte hoch sind. 

Gleichzeitig schränkt er ein, dass die Wirtschaft auf der anderen Seite des Atlantiks trotz allem besser laufen könnte und hofft daher, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen noch weiter senkt. Ein weiteres Problem für Aktienkäufe, gerade in den USA, seien die hohen Bewertungen. "Die Aktien sind relativ teuer", so Ehrhardt lapidar. Das gelte gerade auch für die sogenannten "Magnificent Seven" – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta, Tesla –, die in den vergangenen Jahren für einen großen Teil der Performance der US-Indizes verantwortlich waren.

Keine KI-Blase
Skeptisch ist der Finanzexperte zudem bezüglich der künftigen Gewinnentwicklung der vier sogenannten "Hyperscaler" Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft, die den Ausbau künstlicher Intelligenz (KI) mit hohen Investitionen vorantreiben. Wenn die neue Technologie nicht wie erwartet liefert, ist das ein Problem. "Eine KI-Blase sehe ich momentan aber nicht", beschwichtigt Ehrhardt. Die Investitionen laufen aktuell und werden aus dem Cashflow finanziert.

Mehr Sorge bereitet der Managerlegende, dass in den USA einige Firmen wie SpaceX, OpenAI, Anthropic oder Revolut einen Börsengang, oder Englisch "Initial Public Offering" (IPO), planen. "Historisch betrachtet belasten IPOs die Aktienmärkte. Das könnte zumindest im Frühjahr für einen Dip bei den Börsen führen", so Ehrhardt. 

Mehr Geld für Brücken
Wie sieht es für andere Regionen aus? Auch in vielen anderen Ländern, darunter Deutschland, sollten staatliche Konjunkturprogramme die Unternehmens- und so die Aktienentwicklungen anschieben. "Allerdings sollte man genauer hinschauen, es hilft der Wirtschaft mehr, etwa Geld in Infrastrukturprogramme für Brücken zu stecken, sodass der Waren- und der Personenverkehr nicht beeinträchtigt wird, als Investitionen in Rüstungsprojekte", stichelt der Investmentexperte ein bisschen.

Gerade in Deutschland sei die Verschuldung niedrig, was Spielraum für Ausgaben und Konjunkturpaket gibt. Interessant sind auch die mittleren Unternehmen, die Bewertungen im M-Dax sind niedriger als im Dax. Da aber auch hierzulande der Wirtschaftsmotor nicht rund läuft, hofft der DJE-Chef auf Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank.

Chancen in den Emerging Markets
Gute Investmentchancen sieht er aktuell in den Schwellenländern, gibt aber zu bedenken, dass dorthin gerade viel Geld fließt. "Das mag ich nicht, da sich die Anleger gegenseitig auf den Füßen stehen." Rohstoffaktien haben seiner Ansicht nach ebenfalls Potenzial, sie sollten dieses Jahr trendmäßig gut laufen – und Gold findet er auch gut, wie er schon auf dem Sauren Fondsmanager-Gipfel auf dem diesjährigen FONDS professionell KONGRESS sagte. (jb)