Märkte zittern vor Trumps Davos-Rede: Gold und Platin auf Allzeithochs
Geopolitische Spannungen rund um Grönland und Turbulenzen am japanischen Anleihemarkt versetzen Investoren in Alarmbereitschaft. Gold und Platin erreichen Rekordstände, während Marktstrategen die Trump-Regierung zu beruhigenden Signalen auffordern.
Die Preise von Gold und Platin haben neue Rekordstände erreicht, während Silber sich nahe eines Allzeithochs bewegt. Auslöser für die starke Nachfrage nach sicheren Anlagen sind die sich zuspitzende Krise um Grönland sowie der dramatische Einbruch bei japanischen Staatsanleihen am Vortag.
US-Präsident Donald Trump zeigte im Vorfeld seines für den heutigen Mittwoch (21.1.) angesetzten Besuchs beim Weltwirtschaftsforum in Davos keine Anzeichen, von seinem Anspruch auf die arktische Insel abzurücken. Das veranlasste den Ministerpräsidenten Grönlands, die Bevölkerung vor einer möglichen, wenn auch unwahrscheinlichen, militärischen Invasion zu warnen.
Gold über 4.800 Dollar
Der Preis der Unze Gold überschritt im frühen Mittwochshandel erstmals die Marke von 4.800 Dollar. Zeitweise erreichte der Preis 4.878,22 US-Dollar und lag damit 2,4 Prozent über dem Niveau des Vortags. Platin markierte mit 2.511,10 Dollar je Unze ebenfalls ein Allzeithoch. Silber notierte bei rund 94 Dollar.
Zolldrohungen und internationale Kritik
Die USA haben acht europäischen Ländern – darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien – mit Strafzöllen gedroht, weil sie Trumps Plänen zur Übernahme Grönlands widersprachen. Damit droht ein schwerwiegender Handelskrieg.
Der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierte Trumps Handelstaktik scharf und sagte, Europa brauche mehr Souveränität, um "Vasallentum und Blutpolitik" zu vermeiden. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, die regelbasierte internationale Ordnung sei "faktisch tot".
"Der Anstieg des Goldpreises ist eine Frage des Vertrauens"
Die Wortgefechte in Davos zeigen, wie schnell sich das Verhältnis der traditionellen US-Verbündeten verschlechtert hat. Das erschütterte die Finanzmärkte, schwächte den Dollar und stärkte die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Edelmetallen.
Unabhängig davon hat der Einbruch bei japanischen Staatsanleihen die Sorgen über die Haushaltslage großer Volkswirtschaften verschärft. Dadurch gewann der sogenannte "Debasement Trade" an Bedeutung, bei dem Anleger Währungen und Staatsanleihen meiden.
Die Lage in Japan schürt laut Daniel Ghali von TD Securities die "Furcht vor marktgetriebener Entwertung im Rest der Welt". "Der Anstieg des Goldpreises ist eine Frage des Vertrauens", sagte der Rohstoffstratege. "Im Moment ist das Vertrauen angeschlagen, aber noch nicht gebrochen. Sollte es brechen, wird die Dynamik noch länger anhalten."
J.P. Morgan AM: Klare Warnung der Märkte an Trump-Regierung
Der jüngste Ausverkauf an den Finanzmärkten ist nach Einschätzung von Bob Michele, Investmentchef und Chefstratege für Anleihen bei J.P. Morgan Asset Management, eine klare Botschaft an die Trump-Regierung, Maßnahmen zur Beruhigung der Lage zu ergreifen (Video im Anschluss). Ähnlich sei man bereits nach den sogenannten "Liberation Day"-Zöllen vorgegangen, die im vergangenen Jahr für erhebliche Unruhe unter Investoren gesorgt hatten.
"Die Dinge sind im Moment etwas chaotisch, und die Märkte wirken durchaus panisch", sagte Michele in einem Interview mit "Bloomberg". "Der Markt hatte im April einen Anfall, dann wurde bei vielen Themen zurückgerudert – und anschließend kehrte Ruhe ein. Wir müssen jetzt wieder ähnliche Signale hören."
Aktien, Anleihen und Dollar unter Druck
Der S&P 500 gab am Dienstag (20.1.) seine Gewinne für 2026 vollständig ab. Gleichzeitig gerieten Anleihen und der US-Dollar unter Druck, nachdem Trump Strafzölle gegen mehrere europäische Länder angedroht hatte, die sich seinem Drängen widersetzt hatten, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen.
Die Turbulenzen folgten zudem auf einen Rekordstand der Rendite japanischer 40-jähriger Staatsanleihen. Auslöser waren Sorgen, dass eine von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi ausgerufene vorgezogene Neuwahl eine lockerere Haushaltspolitik begünstigen könnte. (mb/Bloomberg)




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