Egal ob Geopolitik oder Konjunktur: Die Liste der Risikofaktoren ist lang – und dürfte es bis auf Weiteres bleiben. Wenn Kurse stark schwanken oder sich bisweilen regelrecht überschlagen, ist das ein idealer Nährboden für Unsicherheit, sagt Björn Esser, Fondsmanager bei Mainfirst. Statt sich von der Angst mitreißen zu lassen, sollten Investoren querdenken und besser gegen den Strom schwimmen – und so die Unsicherheit ihres Umfeldes für sich nutzen.

In der Vergangenheit hätten sich sogenannte Mean-Reversion-Strategien bewährt, erklärt der Anlageprofi. Der Gedanke: Man kauft Märkte zu einem Zeitpunkt, an dem diese im historischen Vergleich schlecht gelaufen sind, weil das Gros der Geldgeber ihnen gegenüber skeptisch ist. "Die Erwartung ist, dass die Märkte kurzfristig wieder zu ihrem mittelfristigen Trend zurückkehren", sagt Esser. Ineffizienzen oder irrationales Anlegerverhalten spielen als mögliche Auslöser für solch kurzfristige Rücksetzer eine erhebliche Rolle.

Stringenz im Investmentprozess
Beispiel Spanien im Vorfeld der Parlamentswahlen am 10. November 2019: In den Wochen vor der Wahl entwickelten sich spanische Dividendenpapiere im Vergleich zu anderen europäischen Märkten deutlich schlechter. Auslöser war eine allgemeine erhöhte Verunsicherung unter Investoren. Als diese nach der Wahl verschwand, erholte sich der Markt wieder.

Wer die Mean-Reversion-Strategie anwendet, handelt opportunistisch und positioniert sich bewusst gegen aktuelle Markttrends. Das erfordert zum einen Stringenz im Investmentprozess. Zum anderen aber auch viel Mut, sagt Esser. "Das fällt dem durch Emotionen geleiteten Menschen tendenziell schwer." (fp)