In einem Interview mit "NBC News" erklärte US-Präsident Donald Trump am Montag (5.1.), das Vorhaben, US-Ölkonzerne ihre Aktivitäten in Venezuela ausweiten zu lassen, könne "in weniger als 18 Monaten" anlaufen. Diese Zeitspanne steht jedoch im klaren Widerspruch zu den Einschätzungen von Branchenexperten. Die großen Ölkonzerne äußern sich bislang kaum dazu, ob sie zu einer Rückkehr nach Venezuela bereit wären.

"Ich denke, wir können das in noch kürzerer Zeit schaffen, aber es wird viel Geld kosten", sagte Trump gegenüber "NBC". "Es muss eine enorme Summe investiert werden, und die Ölunternehmen werden das Geld aufbringen. Anschließend werden sie entweder von uns oder durch Umsätze entschädigt."

Strategische Bedeutung der Ölvorkommen
Diese Aussagen unterstreichen, dass die US-Regierung die gewaltigen Ölvorkommen Venezuelas sowohl für die wirtschaftliche Erholung des Landes als auch für die eigenen strategischen Interessen als zentral betrachtet.

Der US-Präsident zeigte sich zudem überzeugt, dass ein erhöhtes Ölangebot aus Venezuela dazu beitragen könne, die "Ölpreise zu senken". Er führte aus: "Ein Venezuela als Ölexporteur ist gut für die Vereinigten Staaten, weil es den Ölpreis niedrig hält."

Viele offene Fragen zur Umsetzung
Trump hat bislang kaum konkrete Angaben gemacht, wie die Ölförderung wieder aufgenommen werden soll oder wer in der Zwischenzeit über die Einnahmen verfügen wird. Auf die Frage, ob er bereits mit Führungskräften von Exxon Mobil, Chevron und Conoco Phillips gesprochen habe, antwortete Trump, es sei "zu früh", um dazu etwas zu sagen. "Ich spreche mit jedem."

US-Energieminister Chris Wright plant laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen, in dieser Woche Gespräche mit Managern der Ölbranche zu führen. Wright wird an der Goldman Sachs Energy, Clean Tech & Utilities Conference in Miami teilnehmen, bei der auch Vertreter von Chevron, Conoco Phillips und anderen Unternehmen erwartet werden.

Marode Infrastruktur und hohe Kosten
Jahre der Korruption, mangelnde Investitionen, Brände und Diebstahl haben Venezuelas Öl-Infrastruktur schwer beschädigt. Experten gehen davon aus, dass die Erneuerung der venezolanischen Ölindustrie bis zu zehn Jahre dauern und mehr als 100 Milliarden Dollar kosten könnte. Von den großen internationalen Ölkonzernen ist Chevron derzeit der einzige, der noch in Venezuela tätig ist.

Trump äußerte im "NBC News"-Interview keine genaue Vorstellung darüber, wie teuer der Wiederaufbau und die Erweiterung der venezolanischen Öl-Infrastruktur werden könnten. "Es wird ein sehr erheblicher Betrag investiert werden müssen." (mb/Bloomberg)