Geht es an den Kapitalmärkten bergab, schlägt die Stunde der Value-Investoren. Sie kaufen, wenn andere flüchten, weil sie auf die Finanzkraft der Unternehmen schauen und sich nicht von der allgemeinen Hysterie anstecken lassen. Max Otte ist Geschäftsführer der Investmentgesellschaft PI Kapitalanlage, Manager des Max Otte Vermögensbildungsfonds – und Value-Investor aus Überzeugung. "Wir freuen uns auf die Krise, die kommt", sagte er auf dem 19. FONDS professionell KONGRESS in Mannheim.

In solchen Phasen könne man noch Schnäppchen machen, sagte Otte. Das zeigten die Erfahrungen der letzten großen Finanzkrise. Als damals die Börsen krachten, war Ottes Fonds zu hundert Prozent in Aktien investiert. Er habe die Krise also "voll mitgemacht", erzählte der Vermögensprofi. Doch statt in Panik zu verfallen, nutzte er den Crash und kaufte kräftig nach. Dabei hielt er nach Unternehmen Ausschau, die der Markt ohne erkennbaren Grund abgestraft hatte, wie zum Beispiel American Express. Der US-Kreditkartenanbieter wurde damals pauschal mit dem Bankensektor in Sippenhaft genommen, ohne dass die Firma dessen fundamentalen Probleme geteilt hätte. "Da haben wir mit großer Überzeugung zugegriffen", sagte Otte.

Wer antizyklisch investiert, darf nicht erwarten, dass er sofort Gewinne einfährt. Meist fallen die Titel erstmal weiter, erklärte Otte, weil Value-Investoren nicht mit dem Sentiment gehen, sondern den wahren ökonomischen Wert eines Unternehmens im Blick haben. Doch ein langer Atem zahlt sich in der Regel aus: "Irgendwann wird die Aktie wieder steigen."

Megazyklus nähert sich dem Ende
Der Ökonom ist der breiten Öffentlichkeit vor allem als Crash-Prophet bekannt, im vergangenen Jahr kam sein Buch "Weltsystemcrash" auf den Markt. Otte selbst lehnt diesen Titel rigoros ab, sprach in Mannheim lieber davon, die Öffentlichkeit wachrütteln zu wollen, wie Morpheus, der Held aus dem US-amerikanischen Mega-Blockbuster "Matrix". "Es kündigt sich ein Trendbruch an, der Megazyklus geht dem Ende entgegen", sagte Otte.

Auf die Frage, wann der große Crash denn konkret komme, gab sich der Vermögensprofi dann tatsächlich überraschend moderat und räumte der Weltwirtschaft eine Schonfrist ein. In den nächsten elf Monaten müsse man sich keine Sorgen machen, weissagt Otte. Denn im November wählen die USA einen neuen Präsidenten – und Amtsinhaber Donald Trump wolle schließlich wiedergewählt werden. "Dadurch hat die Weltwirtschaft noch ein wenig Zeit gewonnen", sagte Otte. Der Vermögensprofi schätzt, dass es noch ein bis zwei Jahre weiter nach oben gehen wird, bevor es dann richtig knallt. (fp)