"Letzten Dienstag legte die Bank of America Merrill Lynch die Ergebnisse ihrer regelmäßigen internationalen Assetmanager-Umfrage vor. Offensichtlich denken viele Assetmanager ähnlich wie unser Asset Allocation Committee (AAC)", leitet Joseph V. Amato, Chief Investment Officer für Equities bei Neuberger Berman, seine aktuelle Markteinschätzung ein, in der er vor überteuerten Anlageklassen warnt, aber auch ein paar Hoffnungzeichen nennt.

Zur Erinnerung: Erstmals in diesem Konjunkturzyklus hatte das AAC Cash übergewichtet. Auch die befragten Assetmanager haben ihre Cashquoten erhöht. Das AAC schätzte internationale Aktien jetzt negativer ein und bevorzugte die vergleichsweise sicheren US-Titel. Die befragten Manager haben sich ebenfalls zu einer deutlichen Übergewichtung von US-Aktien entschlossen.

Vor kurzem begann die Berichtssaison für das dritte Quartal. Wird man daher bald klarer sehen? "Wahrscheinlich nicht. Rechnen Sie mit uneinheitlichen Ergebnissen und Unternehmensgewinnen, die im Schnitt etwa so hoch sind wie vor einem Jahr. Schwächere Zahlen von Technologieunternehmen dürften durch bessere von Versorgern und Gesundheitsdienstleistern ausgeglichen werden", schreibt Amato.

Trotz schlechter Stimmung machen die harten Daten Fortschritte
Wesentlich stabiler sind Amato zufolge allerdings die meisten "harten“ Daten. Sie zeigen, was Unternehmen und Verbraucher wirklich tun – und nicht, was sie denken. Der amerikanische Konsum, das Kreditwachstum und die Immobiliennachfrage seien stabil. Auch US-Einkaufsmanagerindizes (PMIs) scheinen sich zu festigen. "Selbst in Deutschland und den übrigen Euroraumländern haben sich Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze zuletzt verbessert."

Es sehe ganz danach aus, als ob Verbraucher und Unternehmen mehr darüber besorgt sind, was passieren könnte, als darüber, was tatsächlich passiert, so Amato. Man sollte nicht vergessen, dass solche Stimmung, also der Großteil der so genannten "weichen“ Daten, ein volatiler Indikator sein kann.

Investorenbefragungen zeigten ein großes Interesse an Technologiewerten und anderen hoch kapitalisierten Wachstumstiteln, aber auch an Immobilienaktien, Investmentgrade- und sogar Staatsanleihen. "Viele dieser Assetklassen sind aber schon jetzt sehr teuer und könnten unter einem Stimmungswandel leiden. Unser Asset Allocation Committee schätzt US-Aktien im Vergleich zu Aktien anderer Länder jetzt zwar positiver ein, bevorzugt dabei aber Small Caps und konjunktursensitivere Marktsegmente", erklärt Amato, um abschließend zu erklären: "Natürlich darf man die Risiken nicht übersehen, zumal in den USA nächstes Jahr Wahlen anstehen. Sollten sich das verarbeitende Gewerbe stabilisieren und die Handelsgespräche Fortschritte machen, könnten manche der jetzt noch zögernden Investoren wieder einsteigen." (aa)