So blickt ein PR-Profi auf den FONDS professionell KONGRESS
Welche Themen prägen den FONDS professionell KONGRESS 2026? Und was lässt sich daraus für die Zukunft des Investierens ableiten? Birte Orth-Freese, die Deutschlandchefin von TE Communications, hat mit ihrem Team das Programm des Kongresses analysiert – und einige interessante Schlüsse gezogen.
Mehr als 200 Vorträge, Diskussionsrunden und Podiumsgespräche: Wer den FONDS professionell KONGRESS am 28. und 29. Januar in Mannheim besucht, hat die Qual der Wahl. Doch das Programm kann nicht nur Finanzberatern zur Entscheidungsfindung dienen, es taugt auch für eine Bestandsaufnahme, welche Themen die Branche aktuell bewegen. Davon jedenfalls ist Birte Orth-Freese überzeugt, Geschäftsführerin von TE Communications in Frankfurt.
Das TE-Team wertete das Kongressprogramm qualitativ aus. "Neben der Häufigkeit bestimmter Themen wurden auch Tonalität, Framing und implizite Annahmen untersucht", erläutert Orth-Freese. "Ziel war nicht die Bewertung einzelner Vorträge oder Sprecher, sondern das Herausarbeiten der dominanten Narrative, Spannungsfelder und Brüche, die den aktuellen Marktdiskurs prägen." Im Ergebnis erkennt sie "weniger ein neues Leitnarrativ als eine Verschiebung im Denken". Die Fondsbranche verabschiede sich von einfachen Gewissheiten. "Stattdessen dominieren Abwägung, Skepsis und die Suche nach Orientierung", so die Spezialistin für Finanz-PR.
"KI wird als Werkzeug verstanden, nicht als autonomer Entscheider"
Eines der prominenten Themen auf dem FONDS professionell KONGRESS: die KI. "Künstliche Intelligenz zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm, doch der Ton ist ein anderer als noch vor zwei Jahren", analysiert Orth-Freese. "Wo 2024 Euphorie herrschte, stehen nun kritische Fragen im Mittelpunkt: Ist KI nachhaltiger Fortschritt oder spekulative Übertreibung? Wie hoch sind Energiebedarf und Abhängigkeiten? Und wer trägt Verantwortung für Entscheidungen?"
Vorträge wie "Gehirn oder KI: Wer lenkt das Geld?" oder "Mehr Kompetenz als KI & ChatGPT" setzten bewusst Kontrapunkte zur Technologiegläubigkeit. Die Botschaft sei eindeutig, so die TE-Deutschlandchefin: "KI wird als Werkzeug verstanden, nicht als autonomer Entscheider. Menschliche Expertise, Urteilskraft und Verantwortung bleiben zentral."
Extreme Marktkonzentration wird kritisch hinterfragt
Aufgefallen ist der PR-Agentur außerdem, dass nach vielen Jahren der Dominanz weniger US-Tech-Giganten nun wieder Nebenwerte ins Blickfeld rücken. "Mehrere Vorträge sprechen offen von einer Renaissance europäischer Small und Mid Caps", hat Orth-Freese beobachtet. "Der Grund ist nüchtern: historisch hohe Bewertungsabschläge bei gleichzeitig solidem Gewinnwachstum."
Bemerkenswert sei, dass selbst klassische Indexanbieter die extreme Marktkonzentration kritisch hinterfragten. "Diversifikation wird wieder als aktiver Prozess verstanden – nicht als theoretisches Ideal, sondern als Risikomanagement in einer fragmentierteren Welt", meint die Branchenkennerin.
Geopolitik als "dauerhafter Einflussfaktor auf Kapitalmärkte"
Eine weitere Erkenntnis: "Selten war ein FONDS professionell KONGRESS so politisch." Sicherheitspolitik, Handelskonflikte, Industriepolitik und staatliche Investitionsprogramme seien fester Bestandteil des Diskurses. "Redner aus Politik, Medien und Militär unterstreichen: Geopolitik ist kein externer Schock mehr, sondern ein dauerhafter Einflussfaktor auf Kapitalmärkte", so Orth-Freese. Titel wie "Die neue Welt(un)ordnung" bringen die Lage ihrer Meinung nach auf den Punkt. "Investoren müssen lernen, mit struktureller Unsicherheit umzugehen – eine Rückkehr zur alten Stabilität ist nicht in Sicht."
Mit Blick auf Schwellenländerinvestments spricht die PR-Spezialistin von einem "Comeback, allerdings ohne Wachstumsrhetorik". Im Fokus stünden vielmehr Bewertungen, fiskalische Disziplin und eine solide Dividendenentwicklung. Orth-Freese hat nachgezählt: Insgesamt 21 Vorträge widmen sich dieser Anlageklasse – "als Contrarian-Opportunity nach Jahren der Underperformance". Auf großes Interesse stoßen ihrer Beobachtung zufolge auch Private Markets und der ELTIF, jedoch mit deutlich mehr Skepsis als noch vor Kurzem: "Die Diskussion kreist um Transparenz, Illiquidität und die Frage, wie viel Komplexität Privatanlegern zugemutet werden kann."
Fazit: Orientierung statt Gewissheit
Orth-Freese hat auch abseits der großen Schlagzeilen Verschiebungen ausgemacht. Infrastruktur etabliere sich als strategisches Investmentthema – getrieben durch Energiewende, Reindustrialisierung und steigenden Strombedarf. Nachhaltigkeit werde konkreter: weg von ESG-Versprechen, hin zu messbaren Projekten und strategischen Rohstoffen. Der Immobilienmarkt differenziere sich ebenfalls: "Während Büroimmobilien weiter unter Druck stehen, gelten Nahversorgung und Wohnimmobilien als vergleichsweise stabil. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Krise endet, sondern wo Chancen entstehen."
Insgesamt sei der Kongress von Gegensätzen geprägt: "Aktiv versus passiv, Qualität versus Momentum, Deutschland zwischen Niedergang und Neustart." Diese Offenheit für Widerspruch sei durchaus bemerkenswert, meint die langjährige Beobachterin der Fondsszene: "Die Branche erlaubt sich wieder Debatten, statt einfache Wahrheiten zu propagieren." Für Orth-Freese ist der FONDS professionell KONGRESS 2026 daher kein Ort der Antworten, sondern der Fragen. "Er zeigt eine Branche, die akzeptiert, dass Investieren komplexer geworden ist." In einer Welt im Umbruch könne ein Kongress zwar keine Sicherheit liefern. "Aber er kann Orientierung bieten. Und genau das ist heute wertvoller denn je." (fp)














