"Die Emerging Markets sind ein heterogenes Universum", sagte Stefan Böttcher von Fiera Capital. "Viele Unternehmen laufen gut, viele schlecht", so der Senior-Portfoliomanager für Emerging und Frontier Markets bei dem kanadischen Investment Manager. "Es kommt darauf an, die richtigen zu wählen, denn wenn man sie verfehlt, kann man stark von der Benchmark abweichen."

Die Heterogenität wird deutlich an der Varianz des Fünf-Jahres-Ertrags, die in den wichtigsten entwickelten Märkten von fünf Prozent (Japan) bis 13 Prozent (USA) reicht, und in den Schwellenländern eine Spanne von minus fünf Prozent (China und Philippinen) bis zu einem Plus von knapp 22 Prozent (Griechenland) aufweist. 

Quelle: Fiera Capital

Phase der Neubewertung
Nach rund 15 Jahren Underperformance befinden sich die Schwellenländer-Aktienmärkte nun in einer Phase der Neubewertung, mit einer deutlichen Outperformance seit vorigem Jahr. "Ist es nun zu spät, einzusteigen?", lautete die rhetorische Frage von Böttcher. Er verwies auf die üblicherweise sehr langen Marktphasen an den Emerging Markets und diverse fundamentale Positivfaktoren. 

So tragen die Schwellenländer heute mit 45 Prozent fast die Hälfte zum weltweiten BIP bei, während ihr Anteil an der globalen Marktkapitalisierung nur zwölf Prozent beträgt – eine Diskrepanz, die ein deutliches Aufholpotenzial anzeigt. Daneben ist das BIP-Wachstum im Durchschnitt der Schwellenländer 2,5 Mal so hoch wie in den Industrieländern, während Staaten und Unternehmen in den Schwellenländern von der aktuellen Dollar-Schwäche profitieren. "Emerging Markets sind eine oft übersehene Assetklasse", so Böttcher. 

Er verweist auf den Analystenkonsens für das erwartete Gewinnwachstum in den kommenden zwölf Monaten, das für die Unternehmen im Schwellenländerindex MSCI EM bei 15 Prozent liegt – über dem für den amerikanischen S&P 500, für den die Analysten nur 14 Prozent erwarten, und dem für den europäischen MSCI Europe mit einem erwarteten Gewinnplus von nur neun Prozent. 

Quelle: Fiera Capital

Große Bewertungslücke
Dennoch werden Aktien aus den Schwellenländern mit einem Bewertungsabstand von mehr als 20 Prozent gegenüber solchen aus Industrieländern gehandelt. In weltweit anlegenden Fonds sind sie immer noch unterrepräsentiert: Böttcher rechnet vor, dass die Untergewichtung gegenüber der MSCI-Benchmark zuletzt bei 820 Basispunkten lag, bei einem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre von 616 Basispunkten. 

"Trotz der ordentlichen Performance letztes Jahr sehen wir noch relativ viel Luft für Emerging Markets", sagt Böttcher. "Als wirklich günstig betrachten wir aber die Frontier-Märkte." Das sind Länder, die nach Klassifikation der Indexanbieter noch nicht die Kriterien für eine Emerging-Markets-Einstufung erfüllen. Sie sind schwieriger investierbar, weil sie zum Beispiel eine geringe Marktgröße und Liquidität aufweisen. Mit dem von Böttcher gemanagten Magna New Frontiers Fund erzielte Fiera laut Website eine durchschnittliche Performance von 9,7 Prozent seit Auflegung im Jahr 2011. Die des Fiera Emerging Markets Fund lag bei 6,9 Prozent im Durchschnitt seit 2010. (dv)