Wer sich heute mit seinen Finanzen beschäftigt, kann auf eine Vielzahl von Informationsquellen und Entscheidungshilfen zurückgreifen. Dennoch ziehen viele Anleger nur wenige Vertraute in ihre Entscheidungen ein. Das zeigt eine repräsentative Yougov-Umfrage im Auftrag der Deka. Demnach verlassen sich 40 Prozent der Befragten auf ihre eigene Einschätzung oder holen lediglich eine weitere Meinung ein. 23 Prozent treffen Finanzentscheidungen sogar vollständig allein.

Ältere Anleger entscheiden häufiger ohne Austausch
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während bei den 18- bis 30-Jährigen lediglich 17 Prozent ihre Entscheidungen allein treffen, steigt dieser Anteil mit zunehmendem Alter deutlich an. Bei den 46- bis 64-Jährigen entscheiden 26 Prozent ohne Rücksprache, bei den 65- bis 75-Jährigen sind es bereits 29 Prozent.

Michael Rosbach, Leiter Vertriebsstrategie und Marktinitiativen der Dekabank, sieht darin einerseits einen positiven Aspekt. "Das spricht auf der einen Seite für das Know-how, das man im Laufe der Zeit aufbaut", sagte er. Zugleich betonte er jedoch, dass dieses Wissen regelmäßig aktualisiert werden müsse, da sich Märkte und Produkte ständig veränderten und damit auch Auswirkungen auf aktuelle Finanzentscheidungen hätten.

Persönlicher Austausch wichtiger als digitale Hilfen
Über alle Altersgruppen hinweg zeigt sich zudem: Wer sich austauscht, bevorzugt den persönlichen Kontakt. Digitale Hilfen wie künstliche Intelligenz (KI) oder Chatbots spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich neun Prozent der Befragten ziehen sie als Entscheidungshilfe in Betracht. Selbst in der digitalaffinen Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen erreichen KI und Chatbots mit 16 Prozent nur Rang acht unter den genutzten Informationsquellen.

Rosbach verwies darauf, dass Finanzentscheidungen oft weitreichende Folgen hätten. "Finanzentscheidungen sind häufig von großer Tragweite und knapp gefasste Allround-Anlagetipps können die Vielfalt der Lebenswege nicht erfassen", sagte er. Anleger sollten daher die Möglichkeit nutzen, individuell zugeschnittene Perspektiven einzuholen.

Junge Anleger orientieren sich an den Eltern
Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren beziehen bei Finanz- und Anlageentscheidungen vor allem ihre Eltern ein. Dabei spielen Väter mit 36 Prozent eine etwas größere Rolle als Mütter mit 32 Prozent.

Deutlich dahinter liegen Partner und Partnerin (20 bzw. 18 %) sowie Freunde und Freundinnen (21 bzw. 11 %). Die Erfahrung der Eltern könne eine wertvolle Orientierung bieten, so Rosbach, zugleich seien Lebensläufe heute andere als noch vor 20 Jahren. Umso wichtiger sei es, sich umfassend zu informieren und alle Optionen zu kennen.

Professionelle Finanzberatung biete Anlegern die Möglichkeit, sich vielseitig und individuell über sämtliche Aspekte der Geldanlage zu informieren. (mb)