USA-Kenner Claus Kleber zur Trump-Regierung: "Das sind Mafia-Methoden"
Donald Trump hat in den vergangenen zwölf Monaten begonnen, die USA radikal zu verändern. Der bekannte TV-Journalist Claus Kleber erläuterte auf dem FONDS professionell KONGRESS die Hintergründe – und erklärte, was der "notorische Schuldner" Trump mit der US-Notenbank vorhat.
Vor fast genau einem Jahr hat Donald Trump zum zweiten Mal das Amt des US-Präsidenten angetreten. Das Land ist seitdem nicht mehr dasselbe. Zwar hat Claus Kleber damals gewarnt, dass mit Trump ein pathologischer Narzisst und rachsüchtiger Mensch das Amt übernommen habe. Dass Trump und seine Regierung das Land aber mit einer solch atemberaubenden Geschwindigkeit und vor allem Radikalität verändern, hat selbst den bekannten Ex-Moderator des "Heute-Journal" und USA-Kenner verwundert.
Das gab er bei einer Diskussionsrunde mit Hilko de Brouwer, Global Head of Sales & Client Service von Oddo BHF Asset Management, auf dem FONDS professionell KONGRESS unumwunden zu – und erläuterte im weiteren Verlauf der Runde die aktuelle Lage in den USA und die Hintergründe.
"Flood the zone"
Das Tempo und die Radikalität der Veränderungen beruhen Kleber zufolge auf zwei Faktoren. Zum einen dränge die Zeit. In knapp drei Jahren sind wieder Präsidentschaftswahlen, im Herbst dieses Jahres stehen die Mid-Terms an, bei denen das Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt werden. Trump müsse also liefern. Zum anderen sei es reine Taktik: "Der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon hat als Parole ausgeben 'Flood the zone with shit'. Mit anderen Worten, ermüde das Interesse der Personen und ihre Fähigkeit, Dinge zu prüfen, mit immer neuen Themen, siehe nur Epstein, dann Venezuela, Grönland usw."
Auch auf internationaler Ebene zeigen sich die Veränderungen. Trump wolle keine Partner und eine gemeinsame Strategie, sondern einem schwächeren Land seine Linie aufdrücken. "Das Vorgehen der Staatschefs und Diplomaten erinnert im Moment an das von Psychiatern oder Kindergärtnern, die versuchen, ein Gruppen sprengendes Kind einzugrenzen", so Klebers drastischer Vergleich.
Nur auf persönlicher Ebene
Wie können andere Länder darauf reagieren? Zugang zu Trump gebe es nur auf der persönlichen Ebene, Nato-Generalsekretär Mark Rutte etwa habe das geschafft, "auch wenn er sich dafür entwürdigen musste". Bundeskanzler Friedrich Merz gehe nicht so weit, habe aber immerhin erreicht, dass er nicht zu den Feinden Trumps zähle.
Stoppen könnten den US-Präsidenten laut Kleber wohl nur zwei Kräfte. Der Oberste Gerichtshof in den USA – und die Finanzmärkte. Trump habe Angst, dass keiner mehr US-Treasuries wolle und er höhere Zinsen zahlen müsse. Auf die kommenden Wahlen, auch ein Mittel, Trump in die Schranken zu weisen, blickt Kleber dagegen mit Sorge. "Die demokratischen Strukturen werden massiv attackiert."
Bedrohung von Politikern
Das geschehe gerade auf lokaler Ebene: So werde in ärmeren Landstrichen die Zahl der Wahllokale weiter reduziert, sodass viele Amerikaner gar nicht wählen können, weil sie zu weit von einem Lokal entfernt wohnen. Dazu komme die drohende Präsenz der ICE-Agenten gerade in Gegenden mit hoher Immigrantenquote. Ein weiteres Problem ist, dass in den lokalen Kommissionen und Behörden immer mehr Trump-Anhänger sitzen, die versuchen könnten, etwa die Stimmauszählung zu manipulieren. Und schließlich würden Politiker, auch der Republikaner, die gegen Trump sind, persönlich bedroht. "Das sind Mafia-Methoden", so Kleber.
Sollte man vor dem Hintergrund noch in den USA investieren? "Das Land ist wirtschaftlich weit vorn, sodass man trotz der Situation dort US-Werte nicht meiden kann. Auch im Bereich der Small und Mid Caps gibt es interessante Unternehmen, gerade diejenigen, die im Bereich künstlicher Intelligenz arbeiten. Man nimmt die USA nicht aus dem Portfolio", meint Hilko de Brouwer von Oddo BHF AM. Daran ändert auch die prekäre Lage der US-Notenbank Fed nichts, deren Unabhängigkeit bedroht ist. Kleber verweist darauf, dass Vertreter der Fed massiv persönlich unter Druck gesetzt werden, unter anderem mit Klagen aus hanebüchenen Gründen. Dabei interessiere sich Trump eigentlich nicht wirklich für die Notenbank. "Trump, als notorischer Schuldner, möchte nur, dass die Fed die Zinsen niedrig hält", meint Kleber. (jb)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











