Warum ein Honorarberater auch als Finanzcoach tätig ist
Für viele Menschen sind Finanzen ein rotes Tuch. Dabei ist es sehr hilfreich, wenn man über Geld und seine Einstellung redet. Andreas und Malin Russmann von der Honorarberatung Arts Wealth Management haben das erkannt – und ihr Geschäftsmodell erweitert.
Ein Unternehmen lässt sich immer optimieren – sei es über bessere Prozesse oder die Ergänzung und Anpassung des Geschäftsmodells. Den letztgenannten Schritt gingen Andreas und Malin Russmann von Arts Wealth Management aus Kressbronn am Bodensee. Der gelernte Bankbetriebswirt Russmann, der seit 2014 mit einer Erlaubnis als Honorar-Finanzanlagenberater gemäß Paragraf 34h Gewerbeordnung arbeitet, setzt seit Anfang 2023 auch auf Finanzcoaching.
Das ergänzt sehr gut sein Kernangebot der Finanzplanung, das Herausarbeiten der Lebensziele einer Person, verbunden mit der Erstellung eines Finanzkonzepts zum Erreichen dieser Ziele. Dazu betreut er ein Fondsdepot, das die nötigen Ressourcen liefern soll.
"Keine Interessenkonflikte"
Die inhaltlichen Grundlagen für seine Tätigkeit erwarb Andreas Russmann in seiner Zeit als Gewerbekundenberater bei einer Bank in der Bodensee-Region. Weitere Erfahrung sammelte er als Teil eines kleinen Allfinanzvertriebs, den er mit 14 anderen Bankberatern gegründet hatte. Diesen verließ er, weil er es ablehnte, weiterhin auf Provisionsbasis zu arbeiten. "Ich wollte keine Interessenkonflikte, sondern aufrichtig und entspannt beraten." Das setzt er nun um – vor allem mit dem Angebot der Finanzplanung.
Schon lange hatte er dabei eine weitere Dienstleistung im Blick: Finanzcoaching. 2020 begann er eine entsprechende Ausbildung bei Monika Müller, die mit ihrem Wiesbadener Unternehmen FCM in 18-monatigen Lehrgängen Finanzcoaches ausbildet. "Verbraucher wissen in der Regel nicht, was für sie in finanzieller Hinsicht die beste Lösung ist", erklärt Russmann. "Geld hat auch immer eine emotionale, psychologische Komponente: Erziehung und Erfahrungen wirken nach und verunsichern viele." An dieser Stelle könne ein Coaching helfen.
"Über Geld spricht man nicht"
"In zahlreichen Familien gibt es beispielsweise das Dogma, dass man über Geld nicht spricht. Das hat zur Folge, dass viele Menschen ihre finanziellen Wünsche nicht formulieren können", ergänzt Malin Russmann, die kürzlich ebenfalls eine Ausbildung zum "FCM Finanz Coach" abgeschlossen hat. Mithilfe des Coachings könnten Menschen lernen, ihr Verhältnis zum Geld zu klären. "Es gibt eine Reihe von Werkzeugen, bestimmte Fragestellungen, die dem Mandanten dabei helfen, seine Ziele und Wünsche zu erkennen, sie zu formulieren und mögliche Lösungen zu erarbeiten. Damit kann der Mandant selbstbestimmt Finanzentscheidungen treffen – eine sehr gute Grundlage für die Finanzplanung", erklärt sie weiter.
In der Praxis setzt Andreas Russmann auf einen Prozess mit fünf Schritten. "Im Erstgespräch klären wir – bei neuen Mandanten auch mit Elementen aus dem Coaching: Was ist ihre Motivation, und welche finanziellen Ziele ergeben sich daraus? Das fassen wir dann im zweiten Schritt zusammen und legen es dem Mandanten in Form eines 'One Pager' vor", sagt er.
Finanzplan und Portfoliovorschlag
Die Risiko- und Finanzanalyse – Vermögensaufstellung, Ausgaben-Einnahmen-Check – sind Bestandteil des dritten Gesprächs. Im vierten werden der Finanzplan und ein passender Portfoliovorschlag erstellt, häufig in Verbindung mit einer Generationenplanung, die zu einem späteren Zeitpunkt zum Tragen kommt. Das schließt Vermögensübertragung und Konzepte zur Erbfolge ein, weshalb Russmann mit einem Expertennetzwerk aus Steuerberatern und Anwälten kooperiert. In einem abschließenden Gespräch prüfen beide Seiten, ob alles passt.
Dann geht Russmann an die Umsetzung und stellt ein dem Risikoprofil und Renditewünschen entsprechendes Portfolio aus ETFs und provisionsfreien Fonds zusammen. Dafür nimmt er nach Größe des Depots gestaffelt eine Servicegebühr. Der Schnitt liegt bei einem Prozent, bei einer Mindestgröße des Depots von 500.000 Euro. Für die ersten Gespräche wird ein Pauschalhonorar fällig.
Zufriedene Kunden
Bislang ging das Konzept gut auf. Andreas Russmann durfte 2012 zwar Kunden aus dem Vertrieb mit in die Selbstständigkeit nehmen, die meisten gewann er aber in den Jahren danach, vor allem über Empfehlungen seiner Kunden und aus seinem Expertennetzwerk. Arts Wealth Management hat mittlerweile 80 Mandate, wobei ein Mandat auch Familien mit mehreren Mitgliedern umfassen kann.
In Zukunft möchten beide diese Dienstleistung auch separat ohne Finanzplanung anbieten. Das Feedback zum Coaching sei bislang sehr positiv, berichtet Malin Russmann. "Wir hören von Mandanten häufiger: 'Ich werde als Mensch wahrgenommen.' Das fassen wir als großes Lob auf." (jb)














