Im vergangenen Jahr hatte es Michael Krautzberger, damals Global Chief Investment Officer Fixed Income bei Allianz Global Investors, auf dem Sauren Fondsmanager-Gipfel nicht leicht. Stand der Anleihenexperte mit Bert Flossbach und Jens Ehrhardt doch zwei Portfoliomanagern gegenüber, deren Herzen klar für Aktien schlagen. In diesem Jahr begrüßte Dachfondspionier Eckhard Sauren zu der illustren Runde, die sich auf dem FONDS professionell KONGRESS längst etabliert hat, keinen ausgewiesenen Bondkenner. Denn: "Der Blick soll sich auf das große Ganze richten", sagte er.

Angesichts einer langfristigen Rendite von Corporate Bonds von 3,2 Prozent und Spreads, die nicht mehr weit über den Renditen von Staatsanleihen liegen, wollte Sauren von seinen Gesprächspartnern aber schon wissen, wie sie die Lage einschätzen, auch wenn diese Papiere in ihren Fonds keine so große Rolle spielen.

Anleihen-Investments eher bedauert
Der Gründer von DJE Kapital, Jens Ehrhardt, nahm in gewohnter Manier kein Blatt vor den Mund: "Wir haben ja als Cash-Ersatz nur einige Unternehmensanleihen, mit denen man zuletzt noch ein bisschen Geld verdienen konnte", sagte er. "Insgesamt hatte man mit dieser Anlageklasse aber Mühe. 2025 habe ich eher bedauert, dass ich überhaupt Anleihen hatte", erklärte er.

Bert Flossbach sieht es ähnlich. "Klar, wenn man ein ausgewogenes Portfolio oder eine defensive Strategie managt, muss man eben aus der Not eine Tugend machen, aber wer jetzt nicht in Anleihen investieren muss, kann es gut bleiben lassen", sagte er. Klaus Kaldemorgen, der die Verantwortung für den Flaggschifffonds DWS Concept Kaldemorgen Ende November abgegeben hat, der Fondstochter der Deutschen Bank aber weiterhin als Kapitalmarktstratege zur Verfügung steht, wies darauf hin, dass Anleihen in einem Mischfonds natürlich immer eine Rolle spielen, um das Risiko auszubalancieren. "Aber ich glaube, das gegenwärtige Niveau am Rentenmarkt gibt keinen Anlass, Aktien zu verkaufen und dafür Renten zu kaufen, eher ist das Gegenteil der Fall", befand er.

Klare Kernempfehlung
Den Aktienmarkt habe das niedrige Zinsniveau – vor allem in den USA – im abgelaufenen Jahr natürlich gestärkt, so Kaldemorgen. Angesichts der enormen Verschuldung auch vieler europäischer Staaten, sollte sich daran auch in absehbarer Zeit nichts ändern, prognostiziert Bert Flossbach. "Diese ist nur noch einzufangen, wenn die Notenbanken die Zinsen künstlich drücken, indem sie Anleihen kaufen", sagte er. "Die Kernempfehlung, die man Investoren geben kann, ist, sich in möglichst liquide und qualitativ gute Sachwerte zu bewegen", erklärte er.

Dabei dürfe sich der Blick künftig durchaus mehr auf die Schwellenländer und auf Europa richten, zeigte sich Ehrhardt überzeugt. In den Emerging Markets sei die Gewinn- und auch die Währungsentwicklung zuletzt recht positiv gewesen. "Und auch Europa könnte eine Zeit lang besser abschneiden als Amerika, weil einfach die Bewertungen niedriger sind", so Ehrhardt.

Für Europa optimistisch gestimmt 
Die Europäische Union könne gerade durch die starke Neuverschuldung Deutschlands für Investitionen in Rüstung und Infrastruktur nach oben gezogen werden. "Man kann sich ja fragen, was es der Volkswirtschaft nutzt, wenn man einen Panzer kauft", räumte Ehrhardt ein. Neue Schulden für Infrastruktur hätten jedoch zweifellos positive Auswirkungen auf die Konjunktur und damit wahrscheinlich auch auf die Börse. "Ein gewisser Optimismus für Europa hat sicherlich seine Berechtigung", findet er.

In den USA seien es nach wie vor die Hyperscaler, also führende Betreiber riesiger Cloud-Rechenzentren wie Alphabet, Amazon oder Microsoft, an denen auch im laufenden Jahr kein Weg vorbeiführe, sagte Kaldemorgen. Diese planten bis 2029 Investitionen in Höhe von 2.000 Milliarden Euro, erinnerte Eckhard Sauren. "Solche Ausgaben drücken natürlich den freien Cashflow, aber solange der Laden läuft, werden sie von Investoren goutiert", befand Flossbach. 

Geografisch besser diversifizieren
Dennoch müssten sich Portfoliomanager fragen, ob sie gerade die Gewichtung der "Glorreichen Sieben" so beibehalten wollen, wie sie im MSCI World anzutreffen ist, mahnte Kaldemorgen. "Ich glaube, stattdessen sollte man lieber geografisch etwas besser diversifizieren, wobei gerade Asien interessant sein dürfte", sagte er.

Mit Blick auf das Börsenjahr 2026 erinnerte Flossbach daran, dass Fondsmanager aktuell sehr stark investiert seien und auch Privatanleger sich gut mit Aktien eingedeckt hätten. "Das ist eine verletzliche Situation für den Fall, dass aus irgendeiner Ecke schlechte Nachrichten kommen", sagte er. Es sei nicht auszuschließen, dass es zu stärken Kursschwankungen kommen könnte als 2025. "Positiv ist aber, dass die Unternehmensgewinne wahrscheinlich steigen werden. Und Aktien sind langfristig gesehen letztendlich immer die beste Anlage gewesen, trotz aller Volatilität", sagte er.

Goldaktien mit Potenzial
Und wie sieht es mit einer Anlageklasse aus, die aktuell enorm hoch im Kurs steht, mit Gold? "Ich bin ja ein alter Goldfreund, und das ist zuletzt belohnt worden", sagte Ehrhardt. Es sei schade, dass er seine Goldbestände etwas zu früh von rund 15 Prozent auf vier Prozent abgebaut habe. "Aber mir wurde das einfach zu volatil", berichtete er. "Goldaktien habe ich jedoch behalten, weil ich denke, dass sie noch Potenzial haben", so der DJE-Gründer.

"Ich glaube, wir werden die Goldposition strategisch nicht verändern. Es ist allerdings immer eine gute Idee, ab und zu mal nachzurechnen, wie viel Gold man durch die enorme Wertsteigerung tatsächlich jetzt im Portfolio hat", sagte Kaldemorgen. Wenn man nicht balanciere, werde die Position irgendwann zu groß. "Und es ist natürlich naiv zu glauben, dass von diesem Niveau nicht auch mal Korrekturen stattfinden", so Kaldemorgen.

Auf Schwankungen gefasst sein
"Gold wird in fünf oder zehn Jahren wahrscheinlich deutlich höher stehen als heute. Es wird aber zwischenzeitlich ordentliche Korrekturen geben", glaubt auch Flossbach. Eine Blase sieht er jedoch nicht. Es werde daher nicht 15 Jahre oder 20 Jahre dauern, bis das aktuelle Niveau wieder erreicht ist. "Aber man sollte sich doch auf ein paar Schwankungen gefasst machen", mahnt er. (am)