Zu Guttenberg: "Unseren bräsigen europäischen Hintern hochbekommen"
Europa muss in der neuen Weltordnung seine Abhängigkeit von anderen Mächten reduzieren, mahnte Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem FONDS professionell KONGRESS. Zudem sollte sich Deutschland auf seine Stärken besinnen – und seine Haltung gegenüber dem Scheitern ändern.
Europa solle seine Hausaufgaben machen, die der Kontinent seit Jahren vernachlässigt habe. Diesen Appell zog der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem FONDS professionell KONGRESS als Fazit aus dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Insbesondere die Rede des kanadischen Premierministers sei ein Weckruf gewesen. Dieser habe in Davos ein "ungeschminktes Bild" von der Weltlage gezeichnet, in dem er von einem "Bruch" gesprochen habe.
Zu Guttenberg bezeichnete die Rede des kanadischen Premiers als "ultimativen Aufruf, unseren bräsigen europäischen Hintern hochzubekommen". Der frühere Bundespolitiker ergänzte: "Europa muss sich seiner Kraft bewusst werden, die es immer noch hat." Für Investoren werde der Kontinent damit immer interessanter, da viele Projekte angegangen werden müssten und in vielen vernachlässigten Feldern aufgeholt werden müsse. Dazu zählte zu Guttenberg, Abhängigkeiten zu reduzieren – bei der Verteidigung von den USA, bei der Energie von Russland und bei Rohstoffen von China.
Kultur des Scheiterns
Weiterhin plädierte der ehemalige Bundespolitiker, der auf Einladung der Fondsgesellschaft Schroders sprach, dafür, dass sich Europa und insbesondere Deutschland "mehr Selbstbewusstsein" erlauben könne. In Deutschland seien viele hochkarätige, mittelständisch geprägte Unternehmen ansässig, die in ihren Feldern als "Hidden Champions" gelten. "Wir sollten, diese Unternehmen von dem Begriff 'Hidden' befreien", mahnte zu Guttenberg. "Wir brauchen kein Verhüllen, es sind einfach Champions."
Allerdings kritisierte der Ex-Minister eine fehlgeleitete Kultur des Scheiterns hierzulande. Ein Scheitern werde mit Häme und Schadenfreude bedacht, anstatt den Menschen zuzugestehen, dass sie aus Fehlern lernen können. "Diese Mentalität fehlt", so zu Guttenberg. Zudem sei die Start-up-Kultur in Deutschland zwar großartig, die "Grow-up-Kultur ist jedoch beschissen", so der ehemalige CSU-Generalsekretär. "Es liegt an jedem von uns, diese Mentalität zu ändern." Nach einer Plagiatsaffäre hatte zu Guttenberg seine Ämter 2011 niedergelegt. Eine mögliche Rückkehr in die Politik schloss er mit den Worten "Gott bewahre" aus. (ert)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











