Angeschlagene Volksbank holt neuen Chef aus der Rente
Die Volksbank Brawo, die unter den Rettungsschirm des Genosektors schlüpfen will, soll künftig von Jürgen Wache geführt werden. Der 66-Jährige war bis vor Kurzem noch Chef der Hannoverschen Volksbank und hatte sich erst im Juni in den Ruhestand verabschiedet.
Wache soll am 15. August zunächst als Generalbevollmächtigter antreten und nach Erfüllung der formalen Voraussetzungen den Chefposten übernehmen, teilte die Volksbank Brawo am Mittwoch (12.8.) mit.
Hilfsantrag inzwischen gestellt
Vor wenigen Wochen war der ehemalige Vorstandschef Jürgen Brinkmann wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung der Brawo-Gruppe freigestellt worden. Damals wurden zudem Pläne öffentlich, wonach die Bank vorsorglich bei der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken wohl einen Antrag auf Hilfen stellen will. Dazu ist es inzwischen auch gekommen, wie ein Sprecher am Mittwoch (12.8.) erklärte.
Die Brawo-Gruppe ist eine komplexe Unternehmung, die unter ihrem Dach nach eigenen Angaben rund 400 Tochter- und Enkelgesellschaften vereint. Jetzt soll die Gruppe neu ausgerichtet werden. Sie sprach unlängst von einer "Zäsur" in der Geschäftsstrategie nach dem Abgang von Brinkmann.
Wache will Komplexität reduzieren
"Wir werden uns wieder deutlich stärker als bislang auf das Kernbankgeschäft fokussieren", erklärte Wache. "Die Bank wird im Beteiligungsportfolio, im Real-Estate-Segment und im Bereich Green Energy deutlich Komplexität reduzieren."
In den vergangenen rund drei Jahren musste mindestens eine Handvoll von Genobanken von der Sicherungseinrichtung gestützt werden, darunter die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank im Hochtaunus. Erst in dieser Woche wurde mit der Volksbank Kleverland ein weiterer Fall bekannt.
Über ihre gemeinsame Sicherungseinrichtung versprechen die Genobanken, sich in Krisen gegenseitig zu stützen. In Schieflage geratene Banken werden oft mit Nachbarinstituten fusioniert, und problematische Kredite, Immobilien oder auch Beteiligungen wandern an die Bad Bank des Sektors.
Bei der Volksbank Brawo wird Lars Berkefeld sein Mandat als Interims-Vorstandssprecher abgeben, bleibt aber als normales Vorstandsmitglied an Bord. Eine Vertreterversammlung wurde indes für den 22. September angesetzt. (mb/Bloomberg)














