Der im Koalitionsvertrag der Großen Koalition festgeschriebene Wechsel der Aufsicht für die Finanzanlagevermittler von den Industrie- und Handelskammern (IHKen) und Gewerbeämtern hin zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wird von der großen Mehrheit der unabhängigen Finanzdienstleister abgelehnt. Lediglich drei Prozent ziehen die Bafin als Aufsichtsbehörde vor. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) nennen die Kammern, weitere 20 Prozent die Gewerbeämter als bevorzugte Behörde.

Das zeigt das 12. AfW-Vermittlerbarometer, die jährliche Vermittlerumfrage des Bundesverbandes Finanzdienstleistungen. Diesmal hatten daran rund 1.550 Vermittler 50 Fragen zu ihrer Tätigkeit, ihrem Einkommen, der Regulierung und anderen aktuellen Themen beantwortet, 81 Prozent davon besitzen die Zulassung als Makler (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Derzeit sind Finanzanlagevermittler mit Zulassung nach Paragraf 34f Gewerbeordnung je nach Bundesland entweder bei den Kammern oder den Gewerbeämtern beaufsichtigt. Die Bafin finanziert sich über ein Umlageverfahren bei den beaufsichtigten Personen und Firmen.

Aufsichtskosten von 1.000 bis 5.000 Euro pro Firma und Jahr
Der AfW rechnet bei einem Aufsichtswechsel zur Bafin mit Kosten in Höhe von 1.000 bis 5.000 Euro pro Zulassungsinhaber und Jahr allein für die Beaufsichtigung. Es gibt schon einen BMF-Referentenentwurf (FONDS professionell ONLINE berichtete) dazu, der den finanziellen Mehraufwand ziemlich exakt beziffert.

Befragt nach den Folgen antwortet knapp die Hälfte der betroffenen Finanzanlagevermittler (49 Prozent), dass sie nicht bereit wären, diese auf sie umzulegenden Kosten zu tragen und daher ihre Erlaubnis zurückgeben würden. Nur sieben Prozent würden das Finanzanlagegeschäft intensivieren.

So würden freie Vermittler bei Aufsichtswechsel zur Bafin reagieren

Quelle: AfW-Vermittlerbarometer 2019; Stand: November 2019

"Hier wird ein sinnloses Gesetzesverfahren angestoßen, was garantiert nicht zu mehr Verbraucherschutz führt, aber horrende Kosten fabriziert und praktisch die Hälfte des bisherigen Angebots unabhängiger Beratung aus dem Markt fegt. Das ist nicht akzeptabel", kritisiert Rechtsanwalt Norman Wirth, geschäftsführender AfW-Vorstand. Die bisherige Zuständigkeit habe sich bewährt, denn "insbesondere die IHK erfüllen diese Aufgabe unbürokratisch, praxisnah, effizient und zuverlässig", so Wirth weiter.

Von denjenigen Vermittlern, die ihre Erlaubnis zurückgeben wollen, will rund ein Drittel (35 Prozent) das Geschäft  mit Finanzanlagen vollständig aufgeben, ergab das Vermittlerbarometer. Jeweils ein knappes Viertel will sich einem Haftungsdach (24 Prozent) anschließen oder auf vermögensverwaltende Lösungen (23 Prozent) fokussieren. Jeder sechste Vermittler dieser Gruppe würde sich auf einen reinen Tippgeberstatus bei Finanzanlagen zurückziehen (16 Prozent).

Bafin berät nicht in Erlaubnisfragen
Ein weiteres Problem: Vermittler nutzen "ihre" Aufsicht bisher auch, um sich in Erlaubnisfragen beraten zu lassen. Laut AfW-Vermittlerbarometer nutzen 26 Prozent der Vermittler das entsprechende Angebot bei den Gewerbeämtern sowie 44 Prozent bei den IHKen. Nach Aussage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gibt es pro Jahr etwa 30.000 Beratungsanfragen in den Kammern. "Das zeigt mehr als deutlich, dass hier Beratungsbedarf besteht", so Wirth. "Dieser Service würde bei einem mittelstandsfeindlichen Aufsichtswechsel komplett wegfallen und die Position der unabhängigen Vermittler und damit auch der Kunden verschlechtern", gibt der AfW-Chef zu bedenken.

Bereits durch die Umsetzung der Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FONDS professionell ONLINE berichtete) werden Betroffene ab 1. August 2020 mit zusätzlichen Pflichten wie dem Ex-ante-Kostenausweis und einer Geeignetheitsprüfung und insbesondere dem Gesprächsmitschnitt konfrontiert (FONDS professionell ONLINE berichtete). Auch hier überlegen laut Umfrage bereits 41 Prozent der Betroffenen, aus diesem Grund ihre Erlaubnis zurückzugeben.. (dpo)