Einer der bundesweit renommiertesten Anwälte für Kapitalanlagerecht ist auf tragische Weise ums Leben gekommen: Andreas Tilp, Gründer und Mitgeschäftsführer der Tilp Rechtsanwaltsgesellschaft aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen, verunglückte am Gründonnerstag (1. April) bei einem Fahrradunfall tödlich. Dies berichten diverse Medien, darunter das "Manager Magazin". Der 58-Jährige erlitt eine schwere Kopfverletzung, der er noch am Unfallort erlag.

"Wir sind alle geschockt und tief traurig", sagte Alexander Heinrich, Anwalt und Mit-Geschäftsführer der Rechtsanwaltsgesellschaft, dem "Manager Magazin". Die Kanzlei werde Tilps Arbeit in seinem Sinne fortsetzen und weiter für die Rechte der Anleger kämpfen.

Andreas Tilp hatte sich in den vergangenen Jahren in Fragen des Anlegerechts immer wieder erfolgreich auf juristisches Neuland gewagt. So hat der Jurist  2006 beim Bundesgerichtshof etwa das "Kickback-Urteil" erstritten, das Banken dazu verpflichtet, über Rückvergütungen aufzuklären, die sie von Fondsgesellschaften erhalten. Zudem gilt er als Wegbereiter des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes (KapMuG), das Anlegern die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen erleichtern soll.

Beim ersten großen KapMuG-Verfahren, das sich gegen die Telekom richtete, vertrat Tilp ab 2007 den Musterkläger. Ab 2010 trat er im Musterverfahren gegen die Hypo Real Estate wegen Bilanzmanipulation und Prospekthaftung für die Klägerseite ein. Weitere KapMuG-Verfahren, bei denen sich seine Kanzlei für die Musterkläger engagiert, laufen noch. Zuletzt hat der erfahrene Anlegeranwalt im Sommer vergangenen Jahres die Finanzaufsicht Bafin wegen Amtsmissbrauchs im Fall Wirecard verklagt und gleichzeitig ein KapMuG-Verfahren beantragt. 

Darüber hinaus war Tilp als Dozent tätig und trat mehrfach als Sachverständiger im Deutschen Bundestag sowie bei der EU-Kommission und bei Regierungskommissionen auf. Er hinterlässt seine Ehefrau und drei Kinder. (am)