Der Streit um mehr Gehalt für die rund 650 Callcenter-Mitarbeiter der Deutschen Bank dauert mittlerweile fünf Wochen an – und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ist nicht in Sicht. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Gewerkschaften Verdi und der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) wollen so lange streiken, bis sie ein Signal von der Deutschen Bank erhalten, wie sie am Dienstag erklärten.

Die Deutsche Bank habe sich dazu nicht äußern wollen, schreibt Reuters. Solange der Streik anhält, behilft sich das Geldinstitut, indem es die Dienste von externen Callcentern in Anspruch nimmt. Arbeitskämpfe, die sich über mehrere Wochen hinziehen, seien bei Banken sehr ungewöhnlich, so Reuters.

"Die Leute sind sauer"
"Es bleibt für mich völlig unverständlich, warum die Deutsche Bank zwar einen Milliarden-Bonus für Investmentbanker auslobt, aber für Geringverdiener im Konzern kein anständiges Angebot macht", sagte der DBV-Bundesvorsitzende Stephan Szukalski der Nachrichtenagentur. Allein auf den allgemeinen Sparzwang ließe sich dies nicht zurückführen. Verdi sehe sich durch das Stillhalten der Deutschen Bank provoziert, erklärte der Verdi-Verhandlungsführer Roman Eberle. "Die Leute sind sauer, dass für Investmentbanker Boni ausgeschüttet werden, aber bei den Beschäftigten der DB Direkt gespart wird", sagte er Reuters.

Die Callcenter-Mitarbeiter zählen nach Angaben der Gewerkschaften zu den Geringstverdienern im Deutsche-Bank-Konzern. Sie fordern unter anderem eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent und ein 13. Monatsgehalt. Der Tarifstreit dauert bereits seit Juni 2020 an, es gab mehrere Verhandlungsrunden. 

Höherer Bonus für Investmentbanker
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte Reuters zufolge bei der Jahrespressekonferenz im Februar wenig Entgegenkommen gezeigt. "Wir sind der festen Überzeugung, dass wir ein faires und tragfähiges Angebot gemacht haben", hatte er gesagt. Die Deutsche Bank kämpft im Privatkundengeschäft mit sinkenden Erträgen und spart kräftig. Deutlich besser läuft es im Kapitalmarktgeschäft. Vor allem deswegen erzielte der Konzern 2020 einen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Euro. Die Investmentbanker sollen einen höheren Bonus erhalten. (am)