Der bekannte US-amerikanische Fonds-Manager Michael Calvey ist in Russland verhaftet worden, berichten Bloomberg und FT übereinstimmend. Am Wochenende wurde der Manager des Fonds Baring Vostok, der in Russland investiert, dem Richter vorgeführt und sitzt vorerst in Untersuchungshaft. Die Nachricht versetzt ausländische Geldgeber in Schockstarre. Der Amerikaner sei ein hochgeschätzter Investor, der laut langjährigen Kollegen immer nach "den Regeln gespielt hat", berichtet die FAZ.

Hintergrund der Verhaftung sind mutmaßlich Streitigkeiten Calveys und dem russischen Finanzier Artjom Awetisjan, die derzeit vor einem Schiedsgericht in London verhandelt werden. Awetisjan soll über beste Kontakte zum russischen Geheimdienst verfügen. Beobachter vermuten, dass er seine Kontakte nun dazu missbraucht, um Druck auf Calvey auszuüben. "Der Fall Calvey hat die Geschäftswelt erschüttert", zitiert die FAZ den Kreml-Geschäftsombudsmann Boris Titow, Calvey im Gefängnis zu halten sei "eindeutig illegal".

Weit verbreitete "Wildost-Taktik"
Für viele Beobachter ist dies ein Fall von "Raiderstwo". Diese in Russland weitverbreite Taktik hilft Unternehmern dabei, unliebsame Konkurrenten mithilfe von Polizei und Gerichten aus dem Weg zu schaffen. Dabei hatte Calvey bewusst nicht in strategisch wichtige Konzerne investiert und gilt in Russland als gut vernetzt mit russischen Politikern und Geschäftsleuten, die seine Verhaftung bedauerten, berichtet die FAZ. Der Putin-Vertraute und derzeitige Sberbank-Chef, German Gref, habe geäußert, dass die Anschuldigungen hoffentlich nur ein "Missverständnis" seien. (fp)