Nachwuchsanalysten der US-Investmentbank Goldman Sachs beschweren sich vor einiger Zeit über 100-Stunden-Wochen und Ausbeutung. Diese Aussichten schrecken neue Mitarbeiter in Deutschland aber offenbar nicht ab, zeigt ein Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) mit Deutschlands Goldman-Sachs-Vorstandsvorsitzendem Wolfgang Fink. "Wir haben jedenfalls kein Problem, junge Leute zu finden, im Gegenteil: Es bewerben sich sehr viel mehr, als wir einstellen können", sagte er der Zeitung.

Die Arbeitsbelastung sei zwar "angesichts der Rekordvolumina an Geschäft und Transaktionen" bei Goldman Sachs derzeit sehr hoch, räumt Fink ein. Doch die Bank wolle bei der Überforderung der Mitarbeiter gegensteuern. Der Plan: "Wir erhöhen die Kapazität, indem wir mehr Leute einstellen, außerdem kontrollieren wir die Arbeitsbelastung." Auch die Rückkehr der Mitarbeiter ins Büro nach der Pandemie solle dabei helfen, Überbelastung früher zu erkennen und gegenzusteuern. Doch am Ende gebe der Klient den Takt vor: "Wenn ich den Anspruch habe, einen Topmanager zu beraten, dann muss ich mich auf dessen Arbeitszeiten einlassen. Wie könnte ich sonst erwarten, dass sie oder er meine Beratung annimmt? Am Ende sind wir Dienstleister."

Notfalls auf Geschäft verzichten
Auf Wochenenden ohne Arbeit wolle die Bank nun auch stärker achten. In Deutschland funktioniere das bereits ganz gut, so Fink. Dennoch erschwere das zyklische Geschäft es der Bank, einen "Schub, wie wir ihn jetzt gerade erleben, zu bewältigen." Notfalls lehne die Bank auch Kunden ab, um Mitarbeiter zu schützen. Bei den Einstellungsverfahren achtet die Investmentbank inzwischen auf einen höheren Frauenanteil. Die selbst gesetzte Frauenquote von 50 Prozent bei den Einstiegspositionen schafft die Bank laut Finks Angaben ohne Probleme. In der Geschäftsführung ist Goldman Sachs Deutschland allerdings derzeit rein männlich. (fp)