Das Landgericht Frankfurt am Main hat nach nur rund einer Woche das Urteil in der Insider-Affäre um einen ehemaligen Spitzen-Fondsmanager von Union Investment gefällt. Der Investmentexperte, der unter anderem die Milliardenfonds Uniglobal und Uniglobal Vorsorge verantwortete, muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das berichten verschiedene Medien, darunter das "Handelsblatt". Ein mitangeklagter Ex-Investmentbanker bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Beide hatten die illegalen Aktiendeals gleich zu Prozessbeginn gestanden.

Die Männer müssen zudem hohe Geldbeträge zahlen, so das Handelsblatt. Dabei nahm das Landgericht nicht die erzielten Insidergewinne als Grundlage, sondern das Handelsvolumen. So muss der Portfoliomanager 45,41 Millionen Euro aufbringen – ein Vielfaches der Gewinne, die er mit den illegalen Transaktionen erwirtschaftet hatte. Laut Anklage beliefen sich diese auf 8,3 Millionen Euro. Von seinem Komplizen verlangt das Gericht 3,34 Millionen Euro.

Persönliche Krise
Der Wirtschaftszeitung zufolge erklärten die Verteidiger die Insidergeschäfte mit der persönlichen Situation des Portfoliolenkers: Er habe eine enorme Belastung im Job gehabt, zu der gesundheitliche Probleme bei Frau und Kind gekommen seien. Er habe in dieser Situation die Hoffnung gehegt, dass zumindest sein Arbeitseinsatz besser finanziell honoriert würde. Dem sei die Fondsgesellschaft aber nicht nachgekommen. Daher habe er laut Handelsblatt-Bericht selber für ein finanzielles Extra sorgen wollen. Auch sein Komplize habe in einer persönlichen Krise gesteckt – beide hätten sich dann solidarisiert. 

Die Insidergeschäfte der beiden Männer, die im Fachjargon "Frontrunning" genannt werden, waren Ende August 2020 bekannt geworden, nachdem die Finanzaufsicht Bafin Anzeige bei den Frankfurter Ermittlungsbehörden erstattet hatte. Die Geschäfte waren so auffällig, dass mehrere Institute die Transaktionen bei der Behörde Bafin anzeigten. Nachdem die Behörde die Staatsanwaltschaft informiert hatte, durchsuchten die Ermittler dann Büroräume in der Union-Investment-Zentrale und private Räumlichkeiten des Beschuldigten. Union Investment hatte den Manager daraufhin freigestellt. (jb)